Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)

Hauptmann Jihn des Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen

146 Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen. verstärkten. Dem Könige blieben hienach nur mehr 40*/s Bataillone, 63 Escadronen '), deren Stand wahrscheinlich nicht über 35.000 Mann 1 2) mit 168 Geschützen betrug. Vormarsch der russischen Streitkräfte gegen Posen und Colberg. Den ersten Punkt des neuen russischen Opcrationsplanes bildete die Zusage, dass ein Corps von 30.000 Mann schon in den ersten Tagen des Monats Mai zu Posen eintreffen würde, und gegen Ende desselben Monats sollte, wie bereits erwähnt, die russische Haupt- Armee daselbst versammelt und zum Aufbruche nach Schlesien bereit sein. So wenig aber von französischer Seite die gemachten Verspre­chungen gehalten wurden, ebensowenig kam Russland, wenigstens der Zeit nach, seinen eben eingegangenen Verpflichtungen nach, denn in der That befanden sich bis Anfang Juni zu Posen nicht viel über 10.000 Mann. Feldmarschall Buturlin hatte zwar schon seit Mitte April den Befehl, mit dem Gros die Weichsel am 1. Mai zu überschreiten, trotzdem begannen aber am 12. desselben Monats erst die Concen- trirungs-Märsche der Truppen aus den Winterquartieren, und nicht früher als am 21. konnte der österreichische Militär-Bevollmächtigte, GFWM. Fine, melden, dass die russischen Divisionen in die vor­bereiteten Lager am linken Weichsel - Ufer eingerückt seien. Die 1. Division lagerte bei Münsterwalde (gegenüber Marienwerder), die 2. bei Schwetz, die 3. bei Bromberg, das Corps de reserve bei Dirschau. In einem am 14. Mai gehaltenen Kriegsrathe war mittlerweile General-Lieutenant Graf Rumanzow mit einer Division für die Be­lagerung von Colborg bestimmt worden. Letztere sollte begonnen werden, sobald sich die aus Kronstadt und Reval bereits ausgelaufene russische Flotte, welche nebst der erforderlichen Belagerungs-Artillerie — wie Finé berichtet — 6000 Mann Infanterie an Bord hatte, der Festung genähert haben würde. Tottleben erhielt die Bestimmung; die Belagerung zu decken. In Folge dessen wurde eine neue Eintheilung nothwendig, nach welcher die Haupt-Armee abermals in drei Divisionen und ein Corps de reserve (auch als corps volant bezeichnet) zerfiel *). 1) Nach dieser, dem preussischen Generalstabs-Werke entlehnten Angabe erscheint hier im Ganzen um eine Escadron mehr ausgewiesen, als nach den Beilagen IV und VI zu Band 5/1 dieses Werkes für die Zeit der Ankunft des Königs in Schlesien. 2) Nach Bernhardi nur 32.000 Manu. Nach den Angaben des preussischen Generalstabs-Werkes müssten es jedoch 38.000 Mann gewesen sein. 5) Zur ersten Division, unter General en chef Graf Fermor, zählten hienach 18 Bataillone, 16 Grenadier-Compagnien, 30 Escadronen; zur zweiten Division unter General en chef Fürst Galitzin, 16 Bataillone, 14 Grenadier-Compagnien, 11 Esca­dronen; zur dritten Division unter General-Lieutenant Fürst Dolgoruki, 16 Batail­lone, 16 Grenadier-Compagnien, 6 Escadronen; zum Corps de reserve, unter General-

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