Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)

Hauptmann Jihn des Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen

136 Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen. Auf gegnerischer Seite erfolgte, wie es scheint erst in Folge der österreichischen Massnahmen, die weitere Concentrirung der Kräfte, welche man schon für vollzogen hielt, gleichfalls am 27. April, indem Goltz sein Gros, das mittlerweile noch eine Verstärkung von 1 Bataillon und 1 Escadron erhalten hatte, in einem Lager zwischen Kunzendorf und Kammerau (4km osö. Kunzendorf) vereinigte. General - Major Thadden stand nördlich Zierlau (2-6km nö. Freiburg), so dass Goltz bei Freiburg (einschliesslich eines Bataillons der Besatzung von Schweidnitz) über 34 Bataillone und etwa 44 Escadronen, also über eine Macht verfügte, die Laudons Kräften in dem bergigen Terrain und mit der Festung Schweidnitz im Rücken abermals gewachsen war. Freilich war dies nur in Folge des unglückseligen Cordon- Systems möglich, welches immer mehr die ganze Kriegführung be­herrschte, und dessen Nachtheile nur der über seine Zeitgenossen hervorragende König Friedrich II. von der preussischen Ai'mee theil- weise abzuwenden verstand. Während rasches Handeln mit vereinigten Kräften der militärischen und politischen Situation allein entsprechen konnte, legte die Verzettelung von mehr als 11.000 Mann auf der langen Linie von Reichenbach bis nach Ziilz in Ober-Schlesien, von denen nur ein verhältnissmässig kleiner Theil zur Beobachtung der Festungen Neisse und Cosel nöthig war, die Action des ganzen Corps unter Laudon lahm, und die Lage wurde in Schlesien ebenso stagnirend, als sie es in Sachsen von vornherein war. Noch unter dem Einflüsse der Versprechungen und Wünsche des französischen Hofes schreibt deshalb der Staats-Kanzler, Graf Kaunitz- Rittberg, unter dem 29. April an Laudon '), dass es wünschenswerth sei, die Hauptkraft des Feindes je eher je besser nach Schlesien zu ziehen, um die rechte Flanke Broglie’s frei zu machen *), umsomehr, als bei Fortdauer des gegenwärtigen Zustandes, vor Ankunft der Russen auf dem Kriegsschauplätze weder in Sachsen, noch in Schlesien etwas Erhebliches zu erreichen sei. Dieser Wunsch der österreichischen Regierung sollte bald in Erfüllung gehen. Marsch des Königs Friedrich aus Sachsen nach Schlesien. Rückzug Laudon’s in das verschanzte Lager von Ditters­bach. Theils durch das Unglück von Landshut im vorhergehenden Feldzuge belehrt, welches dem König Grund genug gab, von dem Unternehmungsgeiste Laudon’s für das schwächere Corps des General­') Kriegs-Archiv 1761; Fase. IV, 75, Acten des Laudon’se.hen Corps. 2) Man glaubte damals in Wien noch immer an die Detachirung eines preussi­schen Corps unter dem Prinzen Heinrich nach Thüringen.

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