Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)
Hauptmann Jihn des Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen
Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen. 137 Lieutenant Goltz zu fürchten '), theils weil der König überhaupt und nach der Art, auf welche der Feldzug eröffnet worden war, umsomehr voraussah, dass die Verbündeten angesichts der eingeleiteten Friedensverhandlungen ihre Hauptanstrengungen auf Schlesien, als den Preis der Kriegführung, richten würden, entschloss sich Friedrich II., das Hauptgewicht seiner Verteidigung nach Schlesien zu verlegen. Er versammelte daher am 2. Mai ein Corps von 32 Bataillonen, 2 Compagnien Fussjäger und 63 Escadronen, zusammen 29.000 Mann2) mit 148 Geschützen bei Strehla, welches im Laufe des 3. und 4. theils bei Torgau, theils bei Strehla selbst die Elbe überschritt und unter seiner persönlichen Führung sofort den Marsch über Krakau, Bautzen, Görlitz, Lauban, Löwenberg und Jauer nach der Gegend von Schweidnitz antrat, während über die in Sachsen zurückbleibenden preussischen Streitkräfte Prinz Heinrich den Oberbefehl übernahm. Wie begreiflich, legte Feldmarschall Daun, den letztgeäusserten Anschauungen des Wiener Hofes gemäss, der Bewegung des Königs kein Hinderniss in den Weg. Er beschränkte sich darauf, am 5. Mai, zum Zwecke der für diesen Fall in Aussicht genommenen Verstärkung Laudon’s, 6 Bataillone und 6 Grenadier-Compagnien unter GFWM. Baron Baumbach von seinem Gros nach Schlesien abzusenden, sowie das Abgehen des GFWM. Grafen Gourcy mit 6 Escadronen von Zittau ebendahin anzuordnen. Über die in der Ober-Lausitz stehenden Truppen hatte FML. Freiherr von Beck das Commando anfangs Mai übernommen. Schon am 5. Mai gelangte die erste Kachricht vom Aufbruche des Königs nach Schlesien in Laudon’s Hauptquartier, und rasch folgte die Meldung Beck’s über das Eintreffen des auf 30.000 Mann geschätzten preussischen Corps zu Görlitz. Um sich bei der nunmehrigen Überlegenheit der gegen ihn operirenden feindlichen Kräfte nicht der Gefahr eines Echecs auszusetzen, sah sich Laudon dadurch veranlasst, am 10. Mai nach Gottesberg, am 11. in das verschanzte Lager von Dittersbach (5'6k 111 w. Braunau) zurückzugehen und sich bis zum Eintreffen der nöthigen Verstärkungen auf die Deckung der Grafschaft Glatz, sowie der österreichischen Grenze zu beschränken. Die Bewegung wurde vom Gegner unbelästigt ausgeführt und es standen am Abende des 11. Mai von den Truppen des Corps3): *) *) Verhaltungsbefehle ries Königs für den Prinzen Heinrich: „Ich breche von hier nach Schlesien auf, um, so viel ich vermag, zu verhindern, dass dort etwa ein Unglück geschieht, ehe die Friedensverhandlungen einen bestimmten Charakter angenommen haben.“ Bei Bernhard!, „Friedrich der Grosse als Feldherr“, II. 288. 2) Nach Bernhardi. Schaefer gibt an, dass der König mit dem grösseren Theile der in Sachsen gestandenen Streitkräfte nach Schlesien zog. 3) Dieses zählte Ende April 41 Bataillone, 41 Grenadier-Compagnien, 88 Escadronen mit einem Stande von 42.600 Mann. Kriegs-Archiv 1761; Fase. V, 15b, Cabinets-Acten.