Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)

Hauptmann Jihn des Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen

130 Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen. seine Armee, die in Folge der durch den Winterfeldzug erlittenen erheblichen Verluste Anfangs April nicht viel über 30.000 Mann zählte, ihrer leichteren Retablirung wegen zum grössten Theile aus Hessen wieder zurückzuziehen. Beide Armeen blieben in ihrer Verfassung weit hinter den Ver­sprechungen des französischen Hofes zurück, und anstatt am 1. Mai wurden sie in der That erst Mitte Juni mit einem Stande von bei­läufig 120.000 Mann operationsfähig. Neben den befestigten Punkten am Rhein und Main waren Göttingen, Cassel, Ziegenhain und Marburg von französischen Truppen besetzt. Die Reichs-Armee, zu diesem Zeitpunkte noch unter dem Commando des G- d. C. Grafen Hadik, 31 Bataillone, 25 Grenadier- Compagnien, 38 Escadronen (darunter 1 Bataillon, 2 Grenadier- Compagnien, 12 Escadronen österreichischer Truppen), mit einem dienstbaren Stande von 17.600 Mann und wahrscheinlich 106 Geschützen, stand noch in den Winterquartieren am oberen Main (Hauptquartier Cronach), mit Vortruppen jenseits des Franken- und Thüringer Waldes. Das vor dem linken Flügel derselben gelegene Erfurt hatte eine Besatzung von 4 schwachen österreichischen Compagnien (200 Mann) und einem Bataillon Reichstruppen. Die Reichs-Armee hatte durch Streifzüge preussischer Corps zu Anfang der Monate März und April nicht unerhebliche materielle Verluste erlitten (im Ganzen 1307 Mann und 10 Geschütze, darunter 2 österreichische '); noch mehr machte sich aber fühlbar, dass sie durch die feindlichen Unternehmungen die nothwendige Zeit zur Erholung verloren hatte. Bringt man noch die Saumseligkeit in Anschlag, mit welcher alle Bedürfnisse dieser Armee beigeschafft wurden, so wird es erklärlich, dass noch zwei Monate vergehen mussten, ehe sich dieselbe überhaupt von der Stelle bewegen konnte. Von der österreichischen Armee standen 2): In Sachsen unter Feldmarschall Graf Daun: 89 Bataillone (einschliesslich des Jäger-Corps), 79 Grenadier-Compagnien, 190 Esca­dronen, 1 Pionnier-Bataillon, mit einem Stande von 89.200 Mann und 401 Geschützen. Hievon befand sich ein Corps von 11 Bataillonen, 8 Grenadier - Compagnien, 18 Escadronen und 150 commandirten Reitern unter dem FML. Grafen Guasco, 8200 Mann stark, mit 30 Geschützen in der Gegend von Eger. Dasselbe war zur even­') Standes-Tabellen pro März und April, Kriegs-Archiv 1761; Fase. III, 8 f, beziehungsweise Fase. FF, 4 b, Cabinets-Acten, und Operations-Journal der Reichs- Armee, Kriegs-Archiv 1761; Fase, XIII, '4, Acten der Haupt-Armee. a) Die folgenden Daten sind mit Hilfe verschiedener Standes- und Dislocations- Tabellen aus den Monaten März und April zusammengestellt. Alle Standesangaben beziehen sich — wo nicht speciell eine andere Grundlage angegeben wird — auf den dienstbaren oder ausrückenden Stand.

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