Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)

Hauptmann Gömöry von Gömör: Eine Herausforderung des Grafen Nicolaus von Zrin (Zrinyi) durch Machmet (Mehemed) Pascha von Bosnien 1554

118 Eine Herausforderung des Grafen Nicolaus von Zrin (Zrínyi) durch Machmet (Mehemed) Pascha von Bosnien 1554. (Aus den Acten des Kriegs-Archivs.) Die Fälle, wo die Entscheidung zwischen zwei kriegführenden Theilen von einem Kampfe ihrer Führer — angesichts der Kriegs- Völker — abhängig gemacht wurde, reichen weit über das Mittelalter zurück. Geschichtlich kommen sie schon bei den Römern vor, so z. B. im Jahre 43 v. Ch., wo der Imperator Augustus (Cajus Julius Octavianus) den Triumvir Antonius (Marcus) zum Zweikampfe forderte. Auch die Chroniken des Mittelalters erzählen uns ähnliche Vor­kommnisse *), ja sie reichen selbst bis in die Geschichte der Neuzeit * 2 3). Vom Standpunkte der Humanität Hesse sich gegen diesen Gebrauch nichts einwenden; insofern als eben dadurch viel Blutvergiessen ver­mieden würde. Ein ähnlicher Fall, worüber die Feldschriften des Jahres 1554 interessante Beiträge bieten, ist die Herausforderung des Grafen Nicolaus von Zrinyi, Ban Croatiens, durch Mehemed Pascha von Bosnien *), auf dem Kampfplätze nächst Sandt Jeorgen (St. Georgen) zu erscheinen 4). Anfang August 1554 tauchten heim Heere in Croatien die ersten Gerüchte über diese Herausforderung auf. Verfolgen wir an der Hand der Acten den ziemlich umfangreichen schriftlichen Verkehr, der sich in dieser Sache zwischen dem Obristen Feldhauptmann Hanns Ungnad Freiherrn von Sonnegg 5) und dem *) Peter III. von Aragonien, auch der Grosse genannt, gab sich vergeb­liche Mühe, den König von Neapel und Sicilien Carl von Anjou (1283) zum Erscheinen auf dem Kampfplätze zu bestimmen; nicht minder wissen wir, dass Frankreichs König Franz I. dem deutschen Kaiser Carl V. eine Herausforderung zuschickte. 2) Napoleon forderte vor St. Jean d’Acre den englischen Admiral Sidney- Smith 1799. 3) Er selbst nennt sich nebst „Pascha von Bosnien“ auchdés „grossherrlichen Kaisers Suliman von Konstantinopel bis Buda und Temesvár Präfect“. 1554. Fase. VIII, 11. 4) Zwischen geringeren Führern wiederholten sich solche Fälle der ver­schiedensten Ursachen wegen. So ward des christlichen Glaubens halber 1551 der königliche Hauptmann Johann Margetich vom türkischen Aga zuWerwoditz (?) Namens Budagk zum Zweikampfe gefordert. Margetich wendete sich bittlich um die Bewilligung, damit er seine und des christlichen Glaubens Ehre rette, an den Feldmarschall Georg von Wildenstein zu Warasdin, den Kampf aufnehmen zu dürfen, welcher indess von König Maximilian strengstens untersagt wurde. 1555. Fase. VIII, 2. 5) Hanns Ungnad Freiherr zu Sonnegg war in jener Zeit königlicher Rath, Landeshauptmann in Steyer, Hauptmann uud Vizedomb zu Cilly, Obrister Span der Grafschaft Warasdin, dann Obrister Feldhauptmann der drei Länder Steyer, Kärnthen und Krain, auch Crabatien und Windischen Landes-Granitz. 1554. Fase. VIII, 1.

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