Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)

Bericht des k. k. General-Majors Graf Bubna, ddo. 11. October 1808 an den Generalissimus Erzherzog Carl über die Zusammenkunft mit dem königl. preussischen Obersten Graf Goetzen in der Ottendorfer Mühle

die Zusammenkunft mit dem königl. pieussischen Obersten Graf Goetzen. 93 machen wollten, eine Anmerkung vorläufig mache: Goetzen, hat im Laufe des Gespräches mehrmalen so im Vorbeigehen gesagt : die Einnahme dieses oder jenes Postens nehme ich auf mich, dazu habe ich hinlängliche Kraft u. s. w» Dieses scheint mir zu beweisen, dass Goetzen darauf sinnt, wo möglich, separirt zu agiren, dieses unterfange ich mich aus doppeltem Grunde zu wiederrathen, lm0 weil die Isolirung so kleiner in sich unbedeutender Körper zu nichts, als einem unbedeutenden Posten-Krieg, der nichts entscheidet, führet, und weil die Vernichtung und Versprengung dieser isolirten Körper gewöhnlich das endliche Resultat ist. 2do weil ich glaube, dass Graf Goetzen einen vorzüglichen Hang zum Detail-Kriege hat, und alle seine Operationen auf Partheigeher-Streiche einleiten dürfte, ich urtheile über ihn, nach dem Resultate, so ich aus seinen Operationen in Schlesien gezogen habe, wo er als Oberleiter des Ganzen, und als Dirigirender unter dem Fürsten von Anhalt-Pless gehandelt hat. Ich habe nun alle bekannten auf diese Campagne bezugnehmenden Schriften durchgelesen, der Entsatz von Bresslau, die Affairen von Canth, und andere Excursionen in Schlesien, warer lauter Unternehmungen mit getheilten Kräften, Zusammensetzungen vieler Colonnen aus allen Ecken und Enden des Landes, die auf evaeuirten Punkten sich hätten formiren sollen, Detache­ments und Schwächungen des Haupt - Corps, um hie und da ein paar Gewehre, einige Montirungen oder Contributions-Gelder zu haschen, mit einem Worte ein Lieutenants-Krieg, weil man sich nie Zeit liess, die noch dispo­niblen Kräfte des Landes ordentlich zusammenzustellen, um damit mit Nach­druck zu wirken, sondern diese immer theilweise versplitterte. Ich glaube also, dass man auf den Fall eines Krieges unsererseits, fordern sollte, dass die disponiblen pieussischen Streitkräfte aus der Graf­schaft Glatz mit den unsrigen in so lange vereiniget werden sollen, bis man es zuträglich findet, sie, nach dem Gange, den die Operationen nehmen werden, vielleicht mit der pieussischen Armee zu vereinigen, die Sache wird keinen Anstand finden, und Graf Goetzen, der seinem Könige attachirt ist, und dem das Wohl des Staates am Herzen liegt, wird gewiss Eitelkeit bei Seite setzend, mit redlichem Eifer dienen. Ich habe es nöthig erachtet, in dem Augenblick, wo mir der Wunsch des Grafen Goetzen errathbar schien, ihn zu versichern, dass ich isolirte Operationen der Sache nachtheilig glaube und Vereinigung der beiderseitigen Streitkräfte entschieden nöthig erachte. Er wiedersprach nicht. Ich habe ihn auch auf die Wahrscheinlichkeit vorbereitet, dass der Marschall Davoust, sobald Frankreich glaubt, dass Österreich Krieg machen werde, den Befehl erhalten wird, Glatz zu berennen, und zu trachten sich von dieser Festung Meister zu machen. Goetzen erkennt den Werth, den Glatz für die Operationen der Deutschen hat, versichert, dass das verschanzte Lager vollendet, die Garnison durch die letzten Gewehr-Transporte vollkommen bewaffnet, und Alles in solchem Zustande sei, dass er den Entsatz von Glatz ruhig abwarten könne und werde. So viel ich aus den Äusserungen des Grafen von Goetzen abnehmen konnte, scheint Preussen den Vorsatz zu haben, bei einem Kriege, wenn dessen Anfang nicht gleich günstig sein sollte, nach Möglichkeit die der- malige Fronte zu ändern, sich in die Flanque zwischen die schlesischen

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