Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)

Bericht des k. k. General-Majors Graf Bubna, ddo. 11. October 1808 an den Generalissimus Erzherzog Carl über die Zusammenkunft mit dem königl. preussischen Obersten Graf Goetzen in der Ottendorfer Mühle

vermehren, nur wild es in diesem Fall an Gewehren fehlen, die aus Mangel an Geld nicht angeschafft werden können. Der Jude Oppenheimer aus Wien hat zwar dem Grafen von Goetzen 10.000 Stück Gewehre, das Stück zu 4 Reichs-Thaler angetragen und die Hälfte der Bezahlung haar gefordert. Der Handel ist aber nicht zu Stande gekommen, weil Oppenheimer die preussischen Pfand-Briefe nur in dem sehr niedrigen Course annehmen wollte, und Goetzen kein baares Geld hat. Ich mache hievon Erwähnung, weil es vielleicht möglich werden könnte, dass wir selbst Gewehre bedürften, oder es nöthig fänden die Preusseu damit zu unterstützen, dann ist es zuträglich zu wissen, wo man so einen beträcht­lichen Gewehr-Vorrath finden kann. Graf Goetzen hat auch feierlich erklärt, dass Preussen — wenn Öster­reich feindliche Schritte gegen Frankreich thut, auf keinen Fall die Resul­tate der ersten Schlacht abwarten, sondern gleich Parthei nehmen, und wenn auch das Kriegsglück in dieser den kaiserlich-königlichen Waffen nicht günstig seyn sollte, standhaft ausharren würde. Inwieweit der Graf diese Behauptung im Allgemeinen, und auch über seinen eigenen Wirkungs-Kreis mit Bestimmtheit machen kann, begreife ich zwar nicht recht, doch scheint sie einige Wahrscheinlichkeit in der Natur der Sache zu haben, weil die Vernichtung Preussens in jedem Fall unvermeidlich ist, und weil die Männer, die dermalen Einfluss auf die Geschäfte haben, sodann sicher verlohren sind, wenn Preussen sich von der österreichischen Sache trennen sollte. Überhaupt scheint der Geist der Faetioneu in Preussen auf das Höchste gestiegen zu Beyn, und eine Art revolutionäre Stimmung zu nehmen, wenn ich anders diesem nach der Sprache von Goetzen urtheilen darf, denn wenn es zwischen Österreich und Frankreich zum Bruch kömmt, so muss ich, sagt Goetzen: bei dem Anfänge der Feindseligkeit vor Allem hier in Schlesien die französisch Gesinnten, und alle Jene, die auch nur eines Verraths fähig sind, auf welche Art immer aus dem Wege räumen, Köpfe müssen epringen, wenn jene der Redlichen und Gutgesinnten feststehen sollen. In Königsberg geschieht mit dem Ausbruche der Feindseligkeiten ein Gleiches, und nach Goetzen’s Versicherung ist auf der Liste der zum Tod Bestimmten der Feldmarschall Graf Kalkreuth oben an. als der Chef und der determinirteste Anhänger der Franzosen. Ich gestehe, dass diese Confidenz mich unangenehm überrascht hat, denn die Allianzen der Factionen sind immer schwankend. Etwas von dieser Schilderung, die uns den preussischen Staat in einer solchen Krisis wie einstens Pohlen vor der letzten Theilung zeigt, kann man immerhin auf Rechnung einer vehementen Einbildungskraft des Grafen von Goetzen, der nicht selten über die unbedeutendsten Dinge mit aus­gesuchten Umschreibungen der Redekunst spricht, um die Nichtigkeit der Sache zu erheben, und vielleicht auch auf Rechnung einiger Persönlich­keiten zu setzen. Allein die Hauptsache mag doch richtig seyn, und Euer Kaiserliche Hoheit werden es aus anderen Berichten am richtigsten beur- theilen können. Erlauben Euer Kaiserliche Hoheit, dass ich auf den Fall, wenn wir Preussens Anträge annehmen, und von ihrer gewaffneten Macht Gebrauch 92 Bericht des Grafen Bubna an den Generalissimus Erzherzog Carl über

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