Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)

Originalbriefe König Friedrich's II. im Kriegs-Archive zu Wien (1759 bis 1760)

Originalbriefe König Friedrich’s XI. im Kriegs-Archive zu Wien. 63 B. 1760. Das neue Feldzugsjalir schien den Abschluss des Krieges und den Untergang Friedrich II. bringen zu wollen. Des Königs politische Projecte waren gescheitert, die Schläge des Vorjahres hatten die Reihen seiner Armee gelichtet, so dass ihr Stand an Feldtruppen im Jänner des Jahres 1760, einschliesslich der 11—12.000 Mann Ver­stärkungen, welche sie von der alliirten Armee unter dem Herzoge von Braunschweig erhalten hatte, nur etwas über 75.000 Mann betrug, welchen auf dem östlichen Kriegsschauplätze bei 185.000 Mann der Gegner gegenüberstanden. Der König erkannte sehr wold das Gefahrdrohende seiner Lage, wie nachstehender Brief beweist. Nr. 64. (An den General Fouqué.) ä pretschendorf ce 11. de Janv. 1760. ( Autographe.) La Malheureuse afaire de Fink a si fort changé Jes affaires quil faut mon eher Fouqué que je Vous mette hien au fait de ma Situation pour que ’) (Eigenhändig.) Pretschendorf*), am 11. Januar 1760. Die unglückliche Be­gebenheit mit Fink hat die Angelegenheiten so sehr verändert, dass Ich Euch, Mein lieber Fouqué, in die gegenwärtige Sachlage vollständig einweihen muss, damit Ihr um so mehr im Einvernehmen mit Mir handeln könnt. Seit dieses Unglück uns be­troffen hat, behauptet sich der Feind hartnäckig bei Dresden, wodurch Ich gezwungen bin, den Winter hindurch sowohl Wilsdruf als Freiberg zu halten. Ich habe thatsäelilich von Meinen Verbündeten Unterstützung bekommen, aber es war nur eine vorübergehende Verstärkung. Ich konnte die Stellung von Dippoldiswalde ‘nicht an­greifen; sie ist viel zu stark, um durch Sturm genommen zu werden, und es gibt nur zwei Hohlwege, durch welche man dem Feinde beikommen könnte. Mein Neffe wird in einigen Tagen aus der Gegend von Langensalza zurückkehren, um, wenn die Umstände es erheischen sollten, dem Prinzen Ferdinand die Hand zu bieten. Ich habe am andern Ufer der Elbe nur 1600 Pferde unter Zetteritz. Der Feind hat die Corps von Harsch und Laudon, 8—10.000 Mann, an sich gezogen, welche sich bei Dresden vereinigt haben. Man muss das Augenmerk auf die Lausitz richten. Schmettau ist nicht stark genug, um ihnen Beunruhigung einzuflössen, und Mir scheint, die gegenwärtigen Verhältnisse erfordern, dass Ihr in Oberschlesien nichts zurücklasset, als ein Corps, im Verhältnisse zu jenem, welches Laudon in Mähren gelassen hat und das Goltz befehligen könnte; mit dem Reste müsstet Ihr Schmettau ver­stärken. Wie man Mir schreibt, steht Jahnus nur mit 4—5000 Mann bei Trautenau, Sclienkendorf würde also mit 3 oder 5 Bataillonen genügen. Ihr könntet Löwenberg, Lauban und Görlitz mit einer Vorhut besetzen und Eure Cavallerie so lange als möglich in der Lausitz ernähren. Diese Stellung würde dem Gegner die Lust vergehen lassen, gegen Cottbus und noch weiter Entsendungen vorzunehmen und würde ihn auch zu Betrachtungen führen, ehe er wagen könnte, ein Corps bis Torgau vorzuschieben. Euer Corps wäre zugleich zur Hand, um, wenn nötliig, gegen die Russen verwendet zu werden. Ich empfehle Euch übrigens alle Sorgfalt anzuwenden, um die Regimenter in Schlesien zu completiren, sie unter strenge Disciplin zu halten und sie in einen Stand zu bringen, dass man sie im kommenden Frühjahre gut brauchen könne, da dieses leichtfertige Volk mir noch nicht so weit zu sein scheint, *) l1/, Meilen (lr3km) w. Lippoldiswalda.

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