Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)

Kaiser Josef II. als Staatsmann und Feldherr - J. Nosinich, Oberst im k. k. Kriegs-Archive: Österreich Politik und Kriege in den Jahren 1763 bis 1790; zugleich Vorgeschichte zu den Kriegen Österreichs gegen die französische Revolution

Am 6. Juni schreibt der König noch an den Prinzen Heinrich, dass das Hauptquartier des Kaisers bald in Jicin, bald in Königgrätz, seine Equipagen aber in Kosmanos seien. Hieraus glaube er auf die Absicht des Kaisers schliessen zu müssen, in die Lausitz einzubrechen. Er wird wahrscheinlich ein Corps gegen Dresden, ein zweites bei Jaromef stehen lassen, mit dem Keste seiner Streitmacht aber gegen die Lausitz operiren und das Kriegstheater ausserhalb Österreich verlegen. Um dieser Invasion entgegenzuwirken, wird der König in Mähren einfallen. Die Besorgnisse für die Lausitz scheinen auch den König zu dem Entschlüsse gebracht zu haben, den Ausbruch des Krieges zu beschleunigen. Am 9. Juni wird Prinz Heinrich von der an den Grafen Finkenstein abgegangenen Weisung verständigt, das Ultimatum vom Wiener Hofe zu verlangen, um dem bisherigen Zaudern ein Ende zu machen und endlich zu erfahren, woran man ist. „Man muss der Unentschlossenheit Schranken ziehen und den Österreichern zeigen, dass man sich nicht fürchte.“ Den 11. Juni werden 20 preussische Bataillone in das Lager bei Pischkowitz an der Steine, nordwestlich von Glatz, einmarschiren, um den Feind auf dieser Seite zu beunruhigen und die Streitkräfte des Prinzen von einem Theile der österreichischen Armee zu befreien. Sobald Prinz Heinrich die vor ihm stehenden Österreicher umgangen, geschlagen und aus ihren Stellungen ver­trieben, wird das Corps bei Pischkowitz zur Deckung Niederschlesiens zurückgelassen und die Hauptmasse des Heeres nach Mähren geführt werden. Der König sei sehr böse, dass der Prinz alles schwarz und eine traurige Zukunft vor sich sehe; seinerseits erblicke er darin nur jene Art von Ungewissheit, die allen grossen Ereignissen vorauszu­gehen pflegt. Es gibt keinen Ruhm, ohne grosse Hindernisse zu besiegen, in der Welt hält man nichts von Dingen, die keine Mühe gekostet haben. Man muss in Ruhe und Geduld die Ereignisse an sich herankommen lassen, auf Alles sich gut vorbereiten und im Übrigen im voraus keine Ungeheuerlichkeiten ersinnen, die vielleicht gar nicht bestehen. Am 26. Juni benachrichtigt er den Prinzen, dass die österrei­chische Antwort auf sein Ultimatum eingegangen sei und dass selbe in keiner Weise befriedige. Er sehe sich daher verpflichtet, Österreich den Krieg zu erklären und die diesbezügliche Weisung am 30. in Berlin eintreffen zu lassen. Der Prinz wird sich sogleich in Bewegung setzen und zwei Tage später wird erst die preussische Kriegserklärung nach Wien abgehen. „Ich erlaube mir Ihnen zu sagen, dass es für mich nicht zweckmässig wäre, über Trautenau in Böhmen einzufallen und dass zu diesem Behufe das Debouché von Glatz ungleich besser geeignet sei. Wir haben alle Hoffnung, 20.000 Hannoveraner zu uns stossen zu sehen, die Sie mit den Truppen-Contingenten der kleinen

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