Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)

Kaiser Josef II. als Staatsmann und Feldherr - J. Nosinich, Oberst im k. k. Kriegs-Archive: Österreich Politik und Kriege in den Jahren 1763 bis 1790; zugleich Vorgeschichte zu den Kriegen Österreichs gegen die französische Revolution

*7 Fürsten von Sachsen, wie Gotha, Weimar, Rudolstadt an sich ziehen und zur Bewachung der Verbindungen verwenden können.“ Am 28. ward sodann Prinz Heinrich in Kenntniss gesetzt, dass der König am (i. Juli mit einem starken Corps in Böhmen eindringen und seine offensiven Massnahmen nach den Anordnungen des Feindes treffen werde. Sollten keine Österreicher hei Járomét, dagegen ein Corps zwischen Bohdanec und Pardubitz stehen, welches in Folge seiner festen Stellung schwer anzugreifen wäre, so würde der König gegen Mähren operiren. In der That hatte der König ebenso triftige militärische Gründe wie der Kaiser, Unterhandlungen zu eröffnen und hiedurch den Aus­bruch des Krieges bis Juli zu verzögern, denn die preussische, Armee war Mitte April so wenig, als das k. k. Heer, vollständig ausgerüstet und operationsbereit. Beide Monarchen begegneten sich daher in der Überzeugung, dass mit den Mitte April an den beider­seitigen Reichsgrenzen versammelten Truppen kein Ausschlag gegeben, sondern dass erst die Gesammtheit der zum Kriege aufgebotenen Streitkräfte kampfbereit gestellt werden müsste, um den Streit, wenn er im diplomatischen Wege nicht beigelegt werden könnte, mit den Waffen zu entscheiden. Österreich brauchte den Sieg, um Schlesien zurück zu erobern und durch die Annexion eines Theiles von Bayern eine natürliche Verbindung mit Italien und seinen Provinzen in Deutsch­land und Niederlanden sich zu öffnen. Preussen durfte keine Nieder­lage erleiden, musste siegreich aus dem Kampfe hervorgehen, wenn es seine Existenz nicht auf’s Spiel setzen wollte, indem es einerseits durch den Verlust Schlesiens zu einer Macht zweiten Ranges wieder degra- dirt, anderseits aber durch das Sinken des Prestige seiner Waffen um die Hoffnung auf die Hegemonie in Deutschland gebracht worden wäre. Es lag mithin in den Verhältnissen für beide Mächte die gebieterische Nothwendigkeit vor, dass keine derselben in einem halbfertigen Kriegs­zustände die Kriegsarena betrete, sondern mit äusserster Anspannung aller Mittel und Kräfte ins Feld rücke, um, angesichts des hohen Ein­satzes, eines glücklichen Ausganges des Feldzuges unter allen Umstän­den sicher zu sein. Die Streitkräfte des Königs waren Ende Mai keineswegs noch vollständig organisirt, versammelt und schlagfertig. Die mehr als zwei­monatlichen diplomatischen Unterhandlungen hatten die beiderseits vorbereitende kriegerische Thätigkeit nicht unterbrochen. In Preussen wurden während derselben im Allgemeinen die Frei-Bataillone errichtet. Die Regimenter aus den Marken und aus Preussen trafen Anfangs Mai bei der I. Armee des Königs im Glatz’schen ein. In der zweiten Hälfte desselben Monats begann bei der sächsischen Armee ei'st die Mobilmachung. Bei der Artillerie und dem Train des gesammten Heeres wurde die Spurweite verkleinert und diese Massnahme erstreckte sich auf 890 Feldgeschütze und 2350 Wagen.

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