Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)
Kaiser Josef II. als Staatsmann und Feldherr - J. Nosinich, Oberst im k. k. Kriegs-Archive: Österreich Politik und Kriege in den Jahren 1763 bis 1790; zugleich Vorgeschichte zu den Kriegen Österreichs gegen die französische Revolution
IV. Der bayerische Erbfolgekrieg’ 1778—1779. 403 erhaltenen alarmirenden Nachrichten hervorgerufen. Weder die vom Prinzen Heinrich wiederholt gemachten Versuche, seinen königlichen Bruder über die Operationsfähigkeit und Absichten der Österreicher zu beruhigen, noch die Wünsche und Weisungen der Kaiserin Maria Theresia, bezüglich der Defensive ihrer Armee, von denen Friedrich II. in der Hegel gut unterrichtet war, vermochten seine Anschauungen zu ändern. Am 13. März schreibt der König an den Prinzen Heinrich: Die Österreicher sind in der Bildung von drei Armeen begriffen und der Kaiser soll demnächst nach Böhmen abreisen. Er habe geäussert, dass es wohl sehr sonderbar sein würde, wenn er die Angelegenheiten Bayerns vor dem Tribunal von Berlin vertheidigen müsste. Dagegen bemerkte die Kaiserin, dass sie nicht zugebon würde, wenn man gegen Preussen angriffsweise verfahre. 26. März. Die Österreicher legen Magazine in Leitmeritz an und versammeln eine neue Armee bei Eger. Ich erwarte die Bestätigung dieser Nachricht, um mich nach den Streitkräften und den Absichten des Feindes zu richten, denn das Lager bei Eger ist gewiss zu dem Zwecke gebildet worden, über Chemnitz oder Zwickau eine Diversion nach Sachsen zu unternehmen. 2. April. Die Nachrichten aus Schlesien zwingen mich, meine Abreise zur Armee zu beschleunigen und diese bis 10. bei Frankenstein zu versammeln. 10. April. Der Kaiser geht erst am 20. zur Armee ab und kann auf keinen Fall die Grenze Sachsens vor dem 28. erreichen; es fehlt ihm noch an Vielem. Ich begebe mich morgen nach Glatz, um dort ein Lager ausfindig zu machen, in welchem ich in aller Ruhe das Eintreffen der Truppen aus den Marken und Preussen ab- warten werde. Obgleich die einen am 1. und die andern am 7. Mai ankommen können, so bekümmert mich dies wenig, da ich gegenwärtig für die Defensive genug Streitkräfte bei der Hand habe und die Österreicher vor dem 1. Mai keinen Krieg erklären können, denn die diplomatische Initiative übe ich thatsächlich aus. 13. April. Die Österreicher können frühestens am 25. d. ihre Armee vereinigt haben. Dies verschafft mir Zeit, meine Vorbereitungen hier und in Berlin ruhig zu beenden. Ich weiss aus guter Quelle, dass der Kaiser den Plan hatte, gegen die Lausitz zu operiren, und dies wird auch durch die Etablirung seiner Armee-Magazine in Leitmeritz Auscha, Gabel und Reichenberg bestätigt. Richten Sie daher Ihr Hauptaugenmerk auf Zittau. Man behauptet, die Österreicher wollen ein Corps von 40.000 Mann zwischen Königgrätz und Trautenau gegen die Grafschaft Glatz zurücklassen und mit dem Rest ihrer Streitkräfte in die Lausitz einrücken. Da von Nimburg nach Zittau 15 bis 16 Meilen (112-5 bis 120km) sind, so können sie in sechs Tagen, und wenn der