Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)

Kaiser Josef II. als Staatsmann und Feldherr - J. Nosinich, Oberst im k. k. Kriegs-Archive: Österreich Politik und Kriege in den Jahren 1763 bis 1790; zugleich Vorgeschichte zu den Kriegen Österreichs gegen die französische Revolution

400 Kaiser Josef II. als Staatsmann und Feldherr etc. zerstören und den König von Preussen als Schiedsrichter in Deutsch­land anerkennen wollte. In einem Briefe vom 24. Mai an den österreichischen Gesandten in Berlin, Grafen Cobenzl, bemerkte Kaiser Josef über die preussischen Vorschläge: „Es liege unzweideutig in der Absicht Friedrich’s II., in den Besitz der beiden Lausitze zu gelangen, wodurch er Dresden in seiner Gewalt hätte und Böhmen derart umzingelt würde, dass zu dessen Vertheidigung und Rettung alle Mittel platterdings abgeschnitten wären. Wenn Österreich nicht ganz Bayern bekommen sollte, so kann der König sein Lebtag, ausser nach einem blutigen und glück­lichen Kriege, die Lausitz nie erhalten.“ — Am 2. Juni aber schrieb der Kaiser an Kaunitz: „Je mehr Standhaftigkeit man an den Tag legt, desto weniger sei ein Krieg zu besorgen; je allgemeiner die Anträge seien, um so geringer sei auch der Missbrauch, den der König machen könnte. Sei der König mit den ihm gemachten Vor­schlägen im Allgemeinen einverstanden, so habe man den eigentlichen Zweck erreicht. Breche er jedoch kurz ab, so habe er nie einen anständigen Frieden beabsichtigt, und es sei besser, dies zu wissen, um sodann die Kräfte der Monarchie auf das Ausserste anzustrengen und den Krieg mit allem Nachdrucke zu führen; Umstände, Glück und Schicksal würden das AVeitere entscheiden. Indess sei er überzeugt, dass der König die Unterhandlungen nicht abbreclien und mit neuen Vorschlägen hervortreten werde: die Parole: Marsch, zum Angriff würde ihm sonst theuer zu stehen kommen.“ Demgemäss erhielt Graf Cobenzl die Weisung, in der Conferenz vom 7. Juni folgenden Gegenantrag einzubringen: Preussen wird sich dem Besitze des österreichischen Antheils von Bayern, Österreich der Besitzergreifung der Ansbach-Bayreuthischen Länder durch Preussen nicht widersetzen; beide Höfe werden gegen den etwa beabsichtigten Austausch ihrer Gebiete mit den Nachbarn keinen Einspruch erheben; sie werden gemeinschaftlich bemüht sein, wegen der Allodial-Herrschaft einen billigen Vergleich zwischen Kur­pfalz und Kursachsen zu Stande zu bringen; die Kaiserin wird zum Vortheil des kurpfälzischen Hauses und um für dasselbe bessere Be­dingungen hinsichtlich des Vergleiches über die Allodial-Herrschaft her­auszuschlagen, dem Kurhause Sachsen mehrere wichtige Begünstigun­gen einräumen. Das preussische Ministerium antwortete hierauf mittelst eines Memoires vom 13. Juni, in welchem die Vorschläge des österreichischen Cabinets als unbestimmt, dunkel und unzureichend bezeichnet und über folgende vier Punkte eine deutliche Erklärung verlangt wurde: 1. Welche Gebietstheile wolle Österreich von Bayern und der Pfalz für sich behalten und welche zurückstellen?

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