Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)

Kaiser Josef II. als Staatsmann und Feldherr - J. Nosinich, Oberst im k. k. Kriegs-Archive: Österreich Politik und Kriege in den Jahren 1763 bis 1790; zugleich Vorgeschichte zu den Kriegen Österreichs gegen die französische Revolution

IV. Der bayerische Erbfolgekrieg 1778—1779. 365 fügte, wurde in Wien in vollstem Masse gewürdigt. Indessen war sie nicht geeignet, die Dispositionen und Entschlüsse der österreichischen Regierung im grossen Ganzen zu verändern und sie zur Capitulation zu vermögen. Um das Versailler Cabinet auf seine Seite zu ziehen und für eine Mediation günstig zu stimmen, Hess Fürst Kaunitz in Paris erklären, es sei ihm nicht bekannt, was Friedrich II. gegen Österreich im Schilde führe, aber er könne die Versicherung geben, dass für den Fall, als er einen Bruch provociren sollte, der kaiserliche Hof entschlossen sei, die Waffen nicht eher niederzulegen, bis eine der beiden Mächte ausser Stand gesetzt würde, gegen die andere den Krieg zu führen. Österreich wäre bereit, dem Pfalzgrafen die böhmischen Lehen in dem Zustande zurückzustellen, wie sie die männliche Linie von Bayern zuvor besessen, unter dem Vorbehalte einer Grundherrschaft und der territorialen Oberhoheit. Auch willige es ein, mit dem Kurfürsten von Sachsen wegen seiner Ansprüche in Unterhandlungen zu treten, und erkläre sich schliesslich mit der von Frankreich befürworteten Einverleibung der Markgrafthümer Ansbach und Bayreuth in die preussische Monarchie einverstanden. „Durch Besitzergreifung von Bayern habe Österreich nur die Absicht verbunden, zwischen seinen eigenen Kräften und jenen des Königs von Preussen das Gleichgewicht herzustellen. Die Handlungsweise des Königs von Preussen sei seiner Sicherheit und Erhaltung entgegen, sie wider­streite dem wahren Interesse aller Höfe und besonders jenem Frankreichs, dem es am allerwenigsten gleichgiltig sein könne, dass die jetzt schon bedrohliche Vergrösserung Preussens noch mehr zunähme und die Aufrechthaltung des Gleichgewichts nicht noch schwieriger gestalte, wenn nicht unmöglich mache. Unabhängig von dieser wichtigen und wesentlichen Erwägung wolle man nur die politische Lage Europa’s prüfen. England, Russland, Preussen, Dänemark, Hannover, Hessen- Kassel und alle übrigen protestantischen Staaten Deutschlands bilden zusammen eine und dieselbe furchtbare Kette. Im ganzen Norden gäbe es keinen anderen Damm, den man diesen vereinigten Kräften entgegenstellen könnte, als die Macht des Hauses Österreich. Jede Verminderung dieser Macht wäre daher nur die unmittelbare Ver­mehrung der Gegenmacht, und jede Gebietserweiterung, die Österreich zufallen könnte, wäre nur ein erwünschtes Mittel, so viel als möglich das Gleichgewicht zwischen den beiden Höfen von Wien und Versailles und jenem so zahlreichen Bunde zu sichern.“ Während das Wiener Cabinet gegen Frankreich eine versöhnliche Sprache führte und die Fürsten von Zweibrücken, Sachsen und Meck­lenburg auf den Rechtsweg verwies, schlug es gegen Preussen einen festen und entschiedenen Ton an. Es war in AVien offenkundig geworden, dass die preussische Note vom 9. März mit der Forderung zur Räumung Bayerns und Annullirung des Vertrages vom 3. Januar keine andere Mittheilungen des k. k. Kriegs-Archivs. 1882. 2b

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