Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)

Die erste Belagerung Wien's durch die Türken im Jahre 1529

Die erste Belagerung Wien’s durch die Türken im Jahre 1529. 343 Erklärung zu Meldemann’s Randan sicht, Taf. IV. (Auszug in neudeutseher Übertragung.) Kurzer Bericht über die recht wahrhaftige Contrafactur der Belagerung der Stadt Wien durch die Türken, wie dieselbe anzusehen und zu ver­stehen sei, welche durch Niklas Meldemann zum Ruhme und Lobe des ganzen Römischen Reiches gemeiner Ritterschaft und besonders eines ehrbaren Rathes der Stadt Nürnberg verfertigt, gedruckt und ausgegeben ist. Als der Türke von Wien abgezogen, reiste ich auf meine Kosten nach Wien, mit der Absicht, eine wahre Contrafactur der Belagerung zu erlangen. Ich erfuhr, dass ein berühmter Maler zu Wien noch während der Belagerung für sich selbst auf dem St. Stephansthurme die türkischen Anstrengungen, sowie die Gegenwehr der Christen verzeichnet habe. Ich kaufte ihm die Zeichnung ab, brachte dieselbe auf das aller- fleissigste in eine ordentliche Form und liess sie drucken. Es wird auffallen, dass ich dieses Werk nicht im Halbkreise oder der Länge nach, sondern in die Runde stellte ; es geschah, weil sonst viele Dinge ungesehen oder verdeckt bleiben müssten und nicht dargestellt werden könnten. Die Vorfälle in den nächst Wien gelegenen Orten erblickt man des­halb auf der Rundansicht, weil man sich als Zuseher auf dem St. Stephans­thurme denken müsse. Die Häuser und Gassen sind aus dem Grunde weggeblicben, damit man desto besser sehen könne, wie das Kriegsvolk in der Stadt zur Gegenwehr ver­theilt war, und wer sich mit Bauen, Befestigen und Anderem beschäftigt hat. Deshalb ist nur die Stadtmauer allein mit den namhaften Thoren und Thürmen aufgenommen und ein jedes mit seinem Namen verzeichnet worden. Auch sind alle in der Stadt befindlichen Kirchen, mit ihren Namen versehen und ungefähr an den ihnen gebührenden Ort gestellt, eingezeichnet. Niklas Meldemann. Hält man sich den hier geschilderten Gesichtspunkt gegen­wärtig, so wird man an diese bildliche Darstellung keine anderen Anforderungen stellen, als welche der Zeichner selbst zu befriedigen versucht hat.

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