Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)

Aus dem dreissigjährigen Kriege

344 Aus dem dreissigjährigen Kriege. Ursachen, Verlauf und Dauer dieses merkwürdigsten aller Kriege haben es mit sich gebracht, dass die Vorstellung von Zuchtlosigkeit und dem Mangel aller organisatorischen Principien, nicht nur nach der Auffassung von Laien, untrennbar von ihm wurde. Man hat sich daran gewöhnt, bei den Heeren jener Epoche die grösste Ungebunden­heit in Allem vorauszusetzen, was nicht unmittelbar im Zusammen­hänge mit einer sehr laxen Kriegsdisciplin stand, während man den Feldherrn frei wähnte von all’ den Sorgen, die in Bezug auf die interne Function des Kriegsapparates die Führer moderner Armeen belasten. Insbesondere ist es Wallenstein und sein Heer, welches man in dieser Hinsicht allen anderen voi’anzustellen liebt. Die Unhaltbarkeit dieser Anschauungen, vielfach schon ander­wärts dargethan, wird noch besonders durch die nachfolgenden zwei Actenstücke illustrirt, deren Originale im gräflich Clam-Gallas’schen Archive zu Friedland aufbewahrt werden. In dem Befehlschreiben Wallenstein’s an das von ihm neu­geschaffene Heer, vor dem Vormarsche nach Prag im Mai 1632, tritt die Analogie mit ähnlichen Erlässen der Gegenwart klar hervor. Der Feldherr umfasst in seinen Anordnungen auch die unscheinbarsten Details und wir treffen auf Bestimmungen, die auch heute, in einem gleichem Zwecke dienenden Erlasse nicht fehlen dürften. Von hohem Interesse ist das zweite Actensttick: eine Disposition Wallenstein’s für das in Schlesien operirende Corps des Generals Mathias Grafen Gallas. Die Absichten des Feldherrn für den, von der Kritik so ungleich beurtheilten Feldzug des Jahres 1633 sind hier eben so prägnant ausgedrückt, wie die Directiven und Anordnungen, welche auf die Schlagfähigkeit des Heeres Bezug nehmen. Hatten auch diese Massregeln nicht jenen Erfolg, wie er ähn­liche heute begleitet, so kann dies nur auf die culturellen und sonstigen Verhältnisse jener Zeit zurückgeführt werden, gewiss aber nicht auf den Mangel von Principien, die man zur Führung grosser Heere auch damals für eben so unentbehrlich erkannte, wie dies in der Gegenwart der Fall ist.

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