Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)
Die erste Belagerung Wien's durch die Türken im Jahre 1529
340 Die erste Belagerung Wien’s durch die Türken im Jahre 1529. gestöbers gegen Bruck an der Leitha, verfolgt von Paul Bakics '), Hans Katzianera) und Sigmund Weichselberger3), welche den Türken am 17. und 19. noch viele gefangene Weiber und Kinder, Kameele und Gepäck abjagten und bei Laa 200 Türken tödteten. Um seinen Misserfolg zu bemänteln, Hess sich Soliman in einem feierlichen, kurz nach dem Abzüge von Wien gehaltenen Divan von den Begs die Glückwünsche zur glücklichen Beendigung des Feldzuges vortragen, und vertheilte an Ibrahim Pascha und andere Würdenträger grosse Belohnungen. In Soliman’s Tagebuche4) figurirt die aufgehobene Belagerung Wien’s als gewährte Gnade und Verzeihung. Erst am 19. October konnte Soliman die angeschwollene Leitha übersetzen und rückte bei sehr schlechtem Wetter über Ofen am linken Donau-Ufer nach Belgrad, welche Stadt er nach grosser Einbusse an Menschen und Pferden am 10. November erreichte. Die Verluste der Türken vor Wien durch Waffen und Krankheiten werden auf 40.000 Mann angegeben; jene der Vertheidiger Wien’s auf 2200 Mann, wovon 700 Bürger. ') Paul Bakics, früher in Zápolya’s Diensten Reiter-Oberst und später Anführer der ungarischen Streifer und Läufer, war der Schrecken der Türken, denen er im Jahre 1532 zwischen Baden und Traiskirchen hart zusetzte und den Anführer der Renner und Brenner tödtete. Er fiel im Jahre 1537 in der Schlacht hei Valpó. 2) Hans Katzianer, Reiter - Oberst, schlug 1532 8000 Türken bei Ternitz in Steiermark, leitete 1537 die unglückliche Schlacht bei Valpó und ward seiner Ver- rätherei wegen später von Niklas Graf Zriny ermordet. 3) Sigmund Weichselberger, ein steirischer Edelmann, war 1528 Abgesandter Ferdinand’s bei der Pforte, schlug 1532 die Türken auf dem Leibnitzer Felde in Steiermark, wobei 2000 Türken umkamen, und vertheidigte im selben Jahre Marburg in rühmlichster Weise. 4) Geschichte des osmanischen Reiches. J. Hammer, 3. Band, Seite 047. — Aus der Geschichte Petschewi’s (Seite 08 von Hammer’s „Wien’s erste aufgehobene Belagerung“) ist folgender Auszug interessant: „Da die Eroberung Wien’s durch das Los nicht vorher bestimmt war, da der Winter heranoilte, da wegen Blitz und Regen das Heer sich nicht mehr konnte bewegen, so wogte das Meer der Barmherzigkeit und des Mitleides Sr. Majestät des allergnädigsten Padiscliah zu Gunsten seiner Diener auf, schenkte zur Belohnung ihrer Dienste tausend Aspern (20 Ducaten) den Janitscharen und befahl ihnen, von der Festung abzufahren.“ Ein anderer türkischer Geschichtsschreiber, Ferdi (Hammer „Wien’s erste etc.“, Seite 107), schildert die Belagerung und den Abzug der Türken folgendermassen: „Da es zum Gehör Sr. Majestät gelangt, dass sich ein Theil des Heeres in Wien eingeschlossen und daher zu ver- muthen war, dass sich der verfluchte Ferdinand darunter befinde, belagerten die siegreichen Heere die obgedachte Festung durch 15 Tage, warfen durch Untergrabung die Mauern an vier bis fünf Orten zur Erde, so dass die Ungläubigen, die Staubigen, mit gebrochener Zunge Gnade begehrten. Durch Gefangene wurde bekannt, dass sich der verfluchte Ferdinand nicht in der Festung befinde, und so verzieh die kaiserliche Huld der Inwohner Schuld, und liess auf ihr Flehen Gnade gewähren.“ Aali (Hammer „Wien’s erste etc.“, Seite 106) schreibt darüber: „Da die Eroberung nicht vorher bestimmt war, konnte der Schwierigkeitsknoten nicht gelöset werden, und da die Heftigkeit des Winters und die Tiefsinnigkeit, womit das Heer über Regen und Schnee nachzudenken anfing, die kaiserliche Rückkehr forderten, so wurde den Einwohnern Gnade gewährt und abgezogen.“