Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)

Die erste Belagerung Wien's durch die Türken im Jahre 1529

Die erste Belagerung Wien’s durch die Türken im Jahre 1529. 341 Die Türken in Nieder- und Ober-Österreich. Allein fast zwei Drittel der Bevölkerung des flachen Landes war theils gemordet, theils in die Sclaverei geschleppt worden. Besonders unmenschlich hausten die „Renner und Brenner“, welche während der Belagerung ganz Nieder- und Ober-Österreich verheerten und sogar bis Regensburg vordrangen. Brand und Mord bezeichneten ihre Pfade. Die aus der Stadt Wien Geflüchteten wurden zwischen Tulln und Traismauer von ihnen erreicht und in der Zahl von 9000 nieder­gemetzelt, wobei eine riesige Beute in ihre gierigen Hände fiel. Döbling, Hütteldorf, Baden und das untere Klosterneuburg gingen in Flammen auf; 20.000 Christen wurden theils ermordet, theils in die Sclaverei geschleppt. Dem letzteren Lose verfielen gewöhnlich Priester, Jünglinge und Mädchen. Da sich aber die „Renner und Brenner“ bei ihren Raubzügen immer mehr zerstreuten, gelang es oft, sie blutig zurückzuweisen. Hans von Starhemberg, Anführer der österreichischen Land­wehr, schlug sie bei Ipsitz und Waidhofen an der Ybbs zurück; Graf Julius von Hardegg überfiel mit 200 Reitern eine Abtheilung von 1000 Mann, welche das Marchfeld plündern wollten, tödtete eine Menge bei dem brennenden Orte Schmida (westlich Stockerau) und nur Wenige entkamen auf Schiffen über die Donau; ein überfülltes Schiff versank. Ein anderer Schwarm, der sich in einen festen Thurm bei Korneu- burg geworfen, ward vom Landvogt Georg von Leuchtenberg und dem bayerischen Reiter-Obersten Wolfgang von Weichs zusammengehauen. Pfalzgraf Friedrich verhinderte die Ausbreitung der „Renner und Brenner“ bei Krems. Nach der Aufhebung der Belagerung von Wien zogen auch sie nach Ungarn ab, wobei ihnen die erbitterten Bauern hart zusetzten. Schluss. Gross war der Jubel in Wien, als so unerwarteterweise die schreckliche Belagerung aufgehoben wurde und der barbarische Feind plötzlich abzog. Selbst die lebhafteste Phantasie hätte sich Tags vorher nicht einen so glücklichen Umschwung aller Verhältnisse ersinnen können. Vom St. Stephansthurme ertönte das frohe Geläute sämmtlicher Glocken und unzählige Freudensalven klangen den abziehenden Türken nach. Damals sah ganz Deutschland mit ängstlicher Spannung auf das von den Türken umlagerte Wien, Hunderte von Boten wurden abgesendet, um über das Schicksal der ehrwürdigen Kaiserstadt am Donaustrome Kundschaft einzuziehen.

Next

/
Thumbnails
Contents