Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)

Friedrich Jihn, Hauptmann im k. k. Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1760 in Sachsen und Schlesien mit besonderer Berücksichtigung der Schlacht bei Torgau

28 Der Feldzug 1760 in Sachsen und Schlesien Auch die österreichische Armee nahm wieder ihre Stellungen vom 10. August ein und Lacy wurde nach Goldberg vorgezogen. Mittlerweile war der gemessene Befehl der Kaiserin eingelaufen, dem König eine Schlacht zu liefern, und um des Marschalls Gewissen ja zu beruhigen, hatte die Monarchin erklärt, alle Verantwortung für den Ausgang derselben auf sich nehmen zu wollen. Aber der Marschall hatte doch noch ein Bedenken. Er glaubte sich nämlich bei einer Unternehmung gegen des Königs gegenwärtige Stellung durch Prinz Heinrich, der seit 12. August mit 42 Bataillonen, 74 Escadronen zwischen Hiinern und Mahlen (1 Meile [7,5km] n. Breslau) stand, im Rücken bedroht. Er hatte aus diesem Grunde Soltikoff schon am 10. August aufgefordert, die Oder bei Auras zu überschreiten, allein dieser gab die Erklärung ab, nicht einen Schritt vorwärts thun zu wollen, so lange der König nicht geschlagen, oder doch wenigstens gegen den Bober zurückgedrängt sei. Am 13. wurde deshalb der gleichen Angelegenheit wegen Laudon in’s russische Hauptquartier geschickt und ihm gelang es, Soltikoff wenigstens dazu zu bewegen, dass er die durch 6 Bataillone ver­stärkte Avantgarde (im Maximum 16.000 Mann) zur Überschreitung der Oder anwies. In Folge dieses Befehles nahm Czernitschew am 14. bei Bresa (5-2km s. Auras) Aufstellung. X. Das Treffen bei Liegnitz am 15. August 1760. (Hiezu der Plan auf Tafel II.) Nachdem sich der Marschall durch die Stellung der russischen Armee nunmehr gegen ein Eingreifen der Armee des Prinzen Heinrich gesichert glaubte, und damit die letzte Vorbereitung zu dem Waffen- gange mit der Armee des Königs beendet war, wurde noch am 14. August die Angriffs-Disposition für den 15. ausgegeben. Bei einbrechender Dunkelheit sollte Beck die Höhe bei Dohnau besetzen und die Katzbach durch eine dichte Postenkette absperren. Ried hatte hierauf über den Fluss zu gehen und das Dorf Schimmel­witz als Stützpunkt für den folgenden Übergang und Aufmarsch des Haupt-Corps zu besetzen. Dieses letztere sollte nach Eintritt völliger Dunkelheit aufbrechen und vor Tagesanbruch des 15. August in der Linie Schimmelwitz-Rothkirch aufmarschirt sein. Lacy und Laudon erhielten Befehl derart abzumarschiren, dass sie gleichfalls mit Tages­anbruch bereit stünden, und zwar Ersterer den Rücken des preussischen rechten Flügels, Letzterer hingegen die linke Flanke der preussischen Stellung anzugreifen. 8 Bataillone, 10 Escadronen des Corps Laudon unter FML. Wolfersdorff wurden bestimmt die Höhe von Hochkirch zu besetzen.

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