Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)
Friedrich Jihn, Hauptmann im k. k. Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1760 in Sachsen und Schlesien mit besonderer Berücksichtigung der Schlacht bei Torgau
mit besonderer Berücksichtigung der Schlacht bei Torgau. 29 Der Marsch sollte in grösster Stille geschehen. Das Rauchen war verboten. Die Lagerfeuer befahl Daun zu unterhalten. Mit Tagesanbruch sollten die Corps Beck und Wolfersdorff, während Daun’s Haupt-Corps, mit dem rechten Flügel (Ried) an der Katzbach, zum Angriffe vorging, in Colonne gegen die Katzbach vorrücken, um des Gegners Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Im Fallo eines ungünstigen Ausganges fiel diesen beiden Corps die Aufgabe zu, die Höhen bei Dohnau und Hochkirch um jeden Preis zu behaupten. Wie hei Landshut, so sollte also auch hier der Gegner überraschend in beiden Flanken und überdies im Rücken angegriffen werden, während ein kleinerer Theil der Armee seine Front beschäftigte. Es war dafür gesorgt, die eigenen Bewegungen bis zum Momente des Angriffes geheim zu halten und den Gegner zu täuschen. Leider machte der Mund eines meineidigen Schurken alle diese Vorsorge zu Schanden. Am 14. Nachmittags ging nämlich der quittirte Lieutenant Wiesser, der sich bei der Armee herumtrieb und auf unbegreifliche Weise zur Kenntniss der Dispositionen Daun’s für das Haupt-Corps und das Corps Lacy gekommen war, zum Feind über, und theilte, vor den König gebracht, diesem mit was er wusste. Nun hatte zwar der König, um dem ohnedies erwarteten Angriffe auszuweichen, schon vorher für die Nacht auf den 15. das Beziehen einer neuen Stellung nordöstlich Liegnitz angeordnet, von wo aus er am 15. den Marsch nach Parchwitz fortsetzen wollte, allein so viel scheint sicher, dass der Verrath Wiesser’s seine Dispositionen beeinflusste und seine Wachsamkeit rege hielt. Als daher bei Tagesanbruch des 15. August die österreichischen Colonnen vorrückten, fanden sie die Verhältnisse, auf welche die Disposition sich gründete, gänzlich verändert. Die preussische Armee, 36 Bataillone'), 78 Escadronen (circa 30.000 Mann) stark, war um 10 Uhr Abends aus ihrem alten Lager, in welchem jedoch die Lagerfeuer unterhalten wurden, aufgebrochen und hatte auf den Höhen zwischen Pfaffendorf und dem Reh-Berge * 2) (siehe Beilage II) Stellung genommen. Die Vorposten derselben blichen bis gegen 1 Uhr 30 Minuten Nachts in ihrer bisherigen Aufstellung und folgten dann der Armee nach. Auf den Höhen jenseits Liegnitz angelangt, Hess der König, in Abänderung der ursprünglichen Disposition, den rechten Flügel gegen Hummel zurückbiegen, und sandte zur Sicherung seiner linken Flanke oin Cavallcrie-Detachemcnt gegen Bienowitz vor. Dieses stiess um 3 Uhr Früh auf den Höhen nördlich Panten auf die Tete der *) Zwei Bataillone waren zur Abholung von Proviant nach Glogau abgegangen. 2) Das preussische Generalstabs-Werk nennt diese Höhe „Wolfsberg“.