Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)
Friedrich Jihn, Hauptmann im k. k. Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1760 in Sachsen und Schlesien mit besonderer Berücksichtigung der Schlacht bei Torgau
mit besonderer Berücksichtigung der Schlackt hei Torgau. 27 brauchten die ganze Nacht, um einen Weg von l3/4 Meilen (13'3km) zurückzulegen, und als der Morgen des 11. August anbrach, stellte sich heraus, dass das rechte Katzbach-Ufer abwärts Goldberg von den Österreichern besetzt sei. Nach einem misslungenen Versuche bei Kosendau (4'5km onö. Goldberg) gelang es indess den Preussen, dicht bei Goldberg die Katzbach zu überschreiten, worauf sich Lacy nach Hennersdorf (2'2km sö. Seicliau) zurückzog. Zugleich brach aber die ganze österreichische Armee, mit alleiniger Ausnahme Nauendorf’s, zur Unterstützung Lacy’s auf; Ried fiel die preussischen Trains an und störte die Bewegung des Gegners in empfindlicher Weise. Am Abend stand die Armee zu beiden Seiten der wüthenden Neisse concentrirt. Die Skizze auf Tafel II versinnlicht diese Situation. Durch die Anstrengungen der beiden letzten Tage ganz erschöpft und zum Theil in Unordnung gerathen, war die preussische Armee bei Seichau angelangt. Das Terrain bot ihr hier, im Falle sie angegriffen wurde, wenig Vortheile für die Vertheidigung, mit einem Wol’te, alle Chancen waren auf Seite der Österreicher. Aber trotzdem griff Daun den König am 12. nicht an, sondern war nur auf die Abwehr bedacht. Lacy wurde an diesem Tage nach Bolkenhayn detachirt. Die Erwägungen, welche den Feldmarschall hiezu veranlassten, gibt das Operations-Journal mit folgenden, für Daun und seine Kriegführung charakteristischen Worten: „Nun hat sich das feindliche Absehen, so etwan durch Unternehmung dieses Marsches (Marsch von Liegnitz nach Seichau) ausge- führet werden wollte, noch nicht gänzlich aufgekläret. „Dahero suchte man allen künftigen Vorfällen hinreichend zu begegnen, und deme, was diesseits nachtheilig sein könnte, sorgfältigst vorzubeugen. Solchemnach wurde der General Lacy beordert mit Anbeginn des Tages (am 12. August) mit seinem unterhabenden Corps gegen Bolkenhayn zurück, und nach Mass derer Umstände auch noch weiters, und gar bis auf Landshut abzugehen, auf dass, falls man feindlicherseits die allhiesige Armee von dar abzuschneiden im Sinn haben dürfte, dem so gewiss vorgebauet wäre.“ Bei Seicliau konnte der König indess, trotz Lacy’s Detacliirung, ohne grosse Gefahr nicht länger bleiben, und ebensowenig konnte er hoffen, um den linken Flügel der österreichischen Armee herum durchzukommen. Er entschloss sich daher, wieder nach Liegnitz zu marschiren. Diese Bewegung wurde nicht ohne empfindliche Belästigung durch die österreichischen leichten Truppen, welche der preussischen Nachhut 2 Geschütze und 130 Gefangene abnahmen, in der Nacht zum 13. August ausgeführt und die preussische Armee bezog am letzteren Tage ihr altes Lager bei Liegnitz.