Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1881)

Moriz v. Angeli, Major im k. k. Kriegs-Archive: Wagram, Novelle zur Geschichte des Krieges von 1809

68 Wagram. Das österreichische VI. Corps unter FML. Graf Klenau und die ihm gleichfalls zugewiesenen Truppen des FML. Nordmann, im Ganzen 48 Bataillone und 36 Escadronen = 24.000 Mann, vertei­digten als Vortruppen der Armee ihre Stellungen äusserst hartnäckig, mussten aber der Übermacht des II., III. und IV. französischen Corps weichen, welche den linken Flügel des FML. Nordmann zu tourniren drohten. Der Instruction des Generalissimus folgend, zog sich das Corps Klenau gegen 5 Uhr Nachmittags in der Richtung von Hirschstetten-Stammersdorf zurück, bei welch’ letzterem Orte das Gros in der Abenddämmerung ankam und sich während der Nacht neu formirte. FML. Nordmann wich vor einem überlegenen Angriffe auf Glinzendorf zurück und schloss sich später dem IV. Corps des FML. Fürsten Rosenberg an. Die Verluste waren bei diesen beiden Armeetheilen sehr beträchtlich; hauptsächlich litt die Cavallerie des FML. Nordmann und wurde auch dessen Geschütz durch das über­legene Kaliber des Feindes fast ganz unbrauchbar gemacht. Die Franzosen hatten sich in der Riohtung gegen Aderklaa und Grosshofen vorgeschoben und Napoleon beschloss nun, trotz der schon weit vorgeschrittenen Tageszeit, durch einen gewaltigen Stoss auf das österreichische Centrum die Entscheidung herbeizuführen. Vierzig Geschütze beschossen den Ort Baumersdorf, in welchem sich GM. Graf Ignaz Hardegg mit ausserordentlicher Energie be­hauptete. Auch am linken Flügel wies FML. Fürst Rosenberg einen Angriff auf Markgraf-Neusiedl blutig zurück. Als die Sonne schon zu sinken begann, rückten zwei feindliche Colonnen beiderseits des Ortes Baumersdorf gegen den Russbach vor. Begünstigt von dem Rauche des in Flammen stehenden Dorfes und dem Pulverdampfe, überschritten sie den Russbach und erstiegen mit seltener Kühnheit das Plateau. Aber dieser Erfolg währte nur einen Moment; die kaiserlichen Bataillone warfen den Feind in erbittertem Kampfe wieder zurück; gelungene Reiterangriffe vollendeten die Niederlage der Franzosen, welche sich mit enormen Verlusten über den Russbach zurückzogen. Der Erzherzog Generalissimus wurde leicht verwundet; das Infanterie-Regiment Erbach') erkämpfte sich das Vorrecht, künftig in allen Gelegenheiten den Grenadiermarsch schlagen zu dürfen. Unmittelbar nach dem misslungenen Versuche bei Baumersdorf unternahm das sächsische Corps einen Angriff auf Wagram, welcher jedoch ebenso entschieden abgewiesen wurde. Um 11 Uhr Nachts erst endigte die Schlacht vom 5. Juli, welche Napoleon nach dem Orte Gross-Enzersdorf benennt; seine Armee stand ') Nr. 42, jetzt Ernst August, Herzog von Cumberland, Herzog zu Braun­schweig und Lüneburg.

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