Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1881)

Moriz v. Angeli, Major im k. k. Kriegs-Archive: Wagram, Novelle zur Geschichte des Krieges von 1809

Novelle zur Geschichte des Krieges von 1809. 67 hiedurch nicht mehr abzuwendende Gefährdung dieses Flügels gegen feindliche Umgehungen hat jedenfalls den Anstoss zu der noch am selben Abende erfolgten Berufung der innerösterreichischen Armee unter Erzherzog Johann gegeben. Skizze der Schlacht bei Deutsch -Wag ram. Die Vorbereitungen Napoleon’s waren in den letzten Tagen des Juni so weit vorgeschritten, dass nur mehr die letzte rasche Con- centrirung der Truppen erübrigte, um den entscheidenden Schlag auf dem Marchfelde zu führen. In Gewaltmärschen zogen nun die ver­schiedenen Corps heran, welche die französische Armee — ungerechnet das VIII. Corps (Vandamme), welches als Besatzung in Wien zurückblieb auf den Stand von 170.000 Combattanten, worunter 30.000 Reiter, bringen sollten. Marmont kam mit dem XL Corps von Graz, die italienische Armee unter Eugene Beauharnais, dann das (III.) Corps Davoust von Komorn, Raab und Pressburg, Bernadotte mit den Sachsen (IX. Corps) sowie die bayerische (VII.) Division unter Wrede von Linz. Am 4. Juli war die Lobau gedrängt voll Truppen, die in der Nacht zum 5. in der Höhe von Gross-Enzersdorf den Übergang auf das linke Ufer begannen. Die Armee hatte sich möglichst rasch zu entwickeln, und zwar im 1. Treffen mit dem IV. Corps (Massena) auf dem linken, dem III. Corps (Davoust) am rechten Flügel und dem II. (Oudinot) im Centrum; im 2. Treffen kam das IX. Corps (Bernadotte) links, die Garde, das XI. Corps (Marmont) und die Divi­sion Wrede in die Mitte, die italienische Armee rechts. Die schon am 2. Juli ausgegebene „Ordre pour le passage du Danube“ gibt in Titre II die allgemeine Disposition mit den Worten: „En général, on fer a la manoeuvre par la droite, en pivotant sur Enzersdorf, pour envelopper tout le Systeme de l’ennemi.“ Die k. k. Armee konnte nach Abrechnung des V. Corps, welches vom Bisamberge stromaufwärts aufgestellt war, nur 115.000 Mann, worunter 12.400 Reiter, in’s Gefecht bringen, so dass also die that- sächliche Übermacht des Gegners am 4. Juli 25.000 Mann Infanterie, 18.000 Pferde und 170 Geschütze betrug. Unter dem Feuer von 36 Geschützen schwersten Kalibers, wo­durch der Ort Stacll-(Gross-)Enzersdorf in Flammen gerieth, stellten die Franzosen vier Übergänge in der Flussstrecke „Mühlhaufen-Mühlleuten“ her, verdrängten die schwachen Vortruppen des FML. Nordmann und breiteten sich unter dem Schutze ihrer Artillerie am linken Ufer aus. Am 5. Juli, Morgens 5 Uhr hatte das 1. Treffen den Übergang vollendet; von 8 Uhr an folgte, auf mehr als der doppelten Anzahl Brücken, das zweite. 5:

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