Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1881)

Moriz v. Angeli, Major im k. k. Kriegs-Archive: Wagram, Novelle zur Geschichte des Krieges von 1809

06 W agram. „Die 1. Munitions-Reserven des L, II., IV. und Reserve-Corps fahren hei Gross-Enzersdorf, und die zweiten Reserven hinter Wölkers­dorf auf.“ Glanz im Gegensätze zu den Ausführungen der schon erwähnten „Relation“, welche behauptet, die Stellung am Russbache sei aus dem Grunde absichtlich nicht verschanzt worden, um das Vorbrechen der k. k. Armee nicht zu hindern, ordnete der Generalissimus am 5. Juli, ö‘/2 Uhr Morgens, die Befestigung der ganzen Front an, „um freier mit der Armee manövriren zu können“. Die sich stündlich mehrenden Anzeichen und Berichte, welche darauf hinwiesen, dass die Franzosen mit bedeutenden Kräften hei Enzersdorf auf das linke Ufer übersetzen würden, sowie der gänzliche Mangel an verfügbaren Reserven gegenüber der grossen Ausdehnung der Front, endlich die zunehmende Unsicherheit über die eigentliche Angriffsrichtung des Gegners, mögen den Befehl des Generalissimus zunächst hervorgerufen haben. Demnach sollten folgende Fortifi- cationen, unmittelbar nach Erhalt des Befehles in Angriff genommen und mit Aufgebot aller Kraft Tag und Nacht fortgesetzt werden: Beim I. Corps (Bellegarde): in der Nähe der Mühle von Deutsch-Wagram, und dann links von diesem Orte oberhalb des Rideau, je eine Redoute für 400 Mann und 4 Geschütze, welche beide die Ebene vor Wagram gegen Aderklaa und Raasdorf bestreichen; beim II. Corps (Hohenzollern): am rechten Flügel auf dem Rideau, unter welchem sich der Weg nach Deutsch-Wagram rechts und links theilt — ferner dort, wo die Alarmkanonc des Corps steht, je eine Redoute für 400 Mann und 4 Geschütze. Die vor Baumersdorf (Parbasdorf) befindlichen Erdaufwürfe waren in Stand zu setzen und dort, wo es nöthig erschien, neue auf­zuwerfen. Das III. Corps (Kolowrat) auf der Höhe von Stammersdorf, sollte einige Redouten für je 400 Mann und 4 Geschütze auf ange­messenen Punkten anlegen; endlich das Grenadier- Corps den Kirchhof von Gerasdorf in V er- theidigungsstand setzen und für die Placirung von Geschütz dortselbst sorgen. Zusammen mit den zur Verstärkung des linken Flügels angeord­neten Redouten, würde die Front durch die Vollendung der oberwähnten Vorschanzungen eine Stärke erhalten haben, die auf den Gang und das Resultat der Schlacht allerdings von massgebendem Einflüsse hätte sein können. Der bekannte Verlauf der Ereignisse Hess jedoch dieses Project nicht einmal bis zu den ersten Vorbereitungen gelangen; auch bei Markgraf-Neusiedl kam der am 3. angeordnete Bau einiger Redouten, in Folge Mangels an Schanzzeug und sonstigen Requisiten, bis zum Abende des 4. Juli nirgends über das Profiliren hinaus. Die

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