Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1881)

Moriz v. Angeli, Major im k. k. Kriegs-Archive: Wagram, Novelle zur Geschichte des Krieges von 1809

Novelle zur Geschichte des Krieges von 1809. 59 einer Verteidigung von mehreren Stunden fähig. Vorzüglich vor Allen aber ist die Lage des, in der Mitte befindlichen Baumersdorf. Dieser Ort liegt an beiden Ufern des Russbaches herausspringend aus der ganzen Stellung, welche ihre Front gegen Wagram und Neusiedl zu­rückbiegt, und erschwert dadurch jede Annäherung gegen den Rideau selbst, der sonst, seines sanfteren Falles wegen, hier am leichtesten zu ersteigen wäre. „Vorwärts dieser drei Dörfer, längs der ganzen Ausdehnung von Wagram bis Neusiedl, fliesst nun noch der Russbach, nie über 400 Schritte von dem Rideau entfernt, und ist für die ganze Stellung um so vorteilhafter, als er unbedeutend scheint. Denn er fliesst mehrere Schuh tief in unbemerkbar erhöhten Ufern, ist zwar nie breiter als 3 Schritte, jedoch an mehreren Orten sumpfig, überdies längs seines ganzen Laufes mit Weidenbäumen besetzt und besonders in der Strecke von Baumersdorf bis Neusiedl, auf seinem linken Ufer mit einigen Gärten und natürlichen Aufwürfen so umgeben, dass er für Tirailleurs eine besonders günstige Verteidigung darbietet und zugleich für eine an- rückende Cavallerie, ohne Brücke an den meisten Orten schwer zu passiren ist. Bei Wagram, Baumersdorf und Neusiedl befinden sich an selben angebaute Mühlen, welche die Haltbarkeit, sowohl des Baches als der Dörfer, durch ihre Lage sehr befördern. „So bietet der Rideau, die anliegenden Dörfer und der vorne fliessende Russbach in der Front, sowie der Russbacli von Bockfliess bis Wagram rechts, und die zurückspi'ingenden Höhen von Neusiedl links, in beiden Flanken eine gesicherte Verteidigung der Höhen dar. „Dies Plateau, die natürlichste Position auf einer ringsum freien Ebene, hatte der Generalissimus nach der Schlacht von Asparn zum Lagerplatz für das Gros der Armee genommen. Nun wählte er es auch zur Aufstellung der Armee bei einem Übergange des Feindes.“ Durch diesen Entschluss des Generalissimus wurde der ursprüng­liche Grundgedanke gänzlich aufgegeben und dafür die Idee einer Defensive cultivirt, aus welcher erst nach Massgabe der Verhältnisse offensiv zur Entscheidungsschlacht übergegangen werden sollte. Äussere Einflüsse auf die Commandoführun g. Der Erfolg hat den Wechsel der, für die weiteren Operationen massgebenden Gesichtspunkte nicht gerechtfertigt. Ohne gerade diesen speciellen Fall zum Ausgangspunkte nehmen zu wollen, gibt doch der allgemeine historische Verlauf Anlass genug, um die Frage zu ventiliren, inwiefern die Befehlgebung des Generalissimus eine voll­ständig freie, von äusseren Einflüssen gänzlich unberührte war. Man kann dies, ohne Widerspruch fürchten zu müssen, ver­neinen, denn trotz der ihm vom Anfänge an gewährleisteten ausge­dehnten Prärogative, sah sich der Generalissimus allmälig in seinen

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