Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1881)

Moriz v. Angeli, Major im k. k. Kriegs-Archive: Wagram, Novelle zur Geschichte des Krieges von 1809

60 Wagram, Entschlüssen nicht selten geradezu beengt und seine Ideen stiessen auf manchen Widerspruch. Sicher ist, dass man in diplomatischen Kreisen mit der Thätig- keit der Armee seit Asparn nicht zufrieden war und ein rascheres Pulsiren des ganzen militärischen Organismus wünschte. Eine einfluss­reiche Partei, den Staatsminister Philipp Grafen Stadion an der Spitze, hatte in einer, unmittelbar auf Asparn folgenden rücksichtslosen Offen­sive die einzig Erfolg versprechende Operation erblickt und hielt den andauernden Stillstand auf dem Marchfelde für das grösste aller Übel. Bei dem rastlosen Drängen Stadion’s zu Fortsetzung der Operationen und seinem unermüdlichen Eifer, den Sieg bei Asparn wenigstens politisch auszunützen, war es um so weniger zu vermeiden, dass die Wirkungssphäre des Generalissimus vielfach tangirt wurde, als Kaiser Franz selbst sich mehr der Actionspartei zuneigte. Anderseits brachten es eben die diplomatischen Versuche Stadion’s, Preussen zur Allianz mit Österreich zu veranlassen, mit sich, dass die Ansichten des Gene­ralissimus nicht entbehrt werden konnten, und auch dies trug dazu bei, dass sich die Grenzlinie zwischen dem Wirkungskreise des Staats­ministers und jenem der obersten Heeresleitung nicht überall scharf genug abhob. Anlässlich der Sendung des Obersten Baron Steigentescli nach Berlin, verlangte Stadion vom Generalissimus einen Entwurf über die Art der Mitwirkung der preussiscken Armee zu dem allgemeinen Operationsplane, um im Falle des Gelingens der diplomatischen Ver­handlungen gleich auch die militärischen Angelegenheiten endgültig zu ordnen. Erzherzog Carl sprach sich hierüber am 3. Juni in folgender Weise aus: „Die preussische Armee kann in dreifacher Hinsicht zu obigem Zwecke am vortheilhaftesten verwendet werden. „1. Durch die Verstärkung der österreichischen Hauptarmee in Österreich, um den glücklichen Operationen mehr Nachdruck und bei ungünstigen Ereignissen ihr Verstärkung zu geben. „2. Durch eine Vorrückung nach Sachsen, um diesen Hof wo möglich zum Frieden und zur Abberufung seiner Truppen zu zwingen, sich der Arsenale, Cassen und sonstigen Kriegsstoffe zu bemächtigen oder solche zu vernichten, dann aber, es mag der Übertritt des säch­sischen Hofes zur österreichisch-preussischen Allianz erfolgen oder nicht, unaufgehalten gegen Frankfurt vorzueilen, hiedurch die Commu- nicationslinie der feindlichen Hauptarmee zu beunruhigen, diese zu Detachirungen zu zwingen und durch eigene Detachirungen gegen Kassel die vortheilhafte Stimmung der Westphäler und Hessen zu be­nützen. — Der Kurfürst von Hessen und der Herzog von Braunschweig hätten sich in Sachsen an die preussische Armee anzuschliessen.

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