Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1881)
Friedrich Spigl, Hauptmann im k. k. Kriegs-Archive: Repressalien-Gefechte an der croatisch-türkischen Grenze in der Zeit von 1809 bis 1845
in der Zeit yon 1809 bis 1845. 37 Auch die Reformen der türkischen Regierung hatten allmälig doch einigen praktischen Halt erlangt; insoferne nämlich, als die bosnischen Türken die Anwesenheit der Regierungsorgane im Lande nicht gänzlich ignorirten, sondern in Sachen, welche ihrem Willen nicht direct zuwiderliefen, ihre Mittlerschaft doch anerkannten. Freilich durfte sich diese Ingerenz der Regierung von den mit ihren Wünschen parallel laufenden Wegen nicht allzu sehr entfernen; aber hei redlichen Absichten, einiger Klugheit und Strenge wäre es nicht unmöglich gewesen, sie selbst an den Gehorsam zu gewöhnen. Doch die auf allen Gebieten der türkischen Verwaltung herrschende Corruption und der häufige Wechsel der Veziere hinderten, dass sich der Einfluss der Regierungsgewalt über das obige Maass consolidate. Züchtigung des Dorfes Podzvizd am 10. Juli 1845. Gegen Ende des Jahres 1844 kamen wieder zwei Ermordungen von Grenzern vor. Die türkischen Behörden leisteten den Reclamationen zwar bereitwillig Folge, die Mörder wurden aufgegriffen und gebunden nach Travnik abgeführt, dort aber in Folge von Bestechungen straflos wieder in Freiheit gesetzt. Diese Treulosigkeit bestimmte das General-Commando von Agram, zu verordnen, dass in künftigen Fällen, wo seitens der türkischen Obrigkeiten die geforderte Genugthuung verweigert, aus Trug oder wegen Unvermögens in dem geforderten und schuldigen Maasse nicht geleistet werden sollte, die Selbsthilfe zu ergreifen sei. Am 5. Juli 1845 überfielen sechs Türken aus Podzvizd einen Grenzer des 1. Banal-Regiments und erschossen ihn auf diesseitigem Gebiete. Uber Aufforderung des Regiments - Commandanten Obersten Baron Jellacic zur Genugthuung, stellten die Podzvizder gänzlich in Abrede, dass die That durch dortige Insassen begangen worden wäre, obzwar der Thatbestand commissioneil erhoben und durch Zeugenaussagen unzweifelhaft sichergestellt, auch die Mörder genau bekannt waren. Oberst Baron Jellaöic gewährte eine viertägige Frist zum Vollzüge der verlangten Genugthuung und beorderte, als diese fruchtlos verstrichen war, 8 Feld- und 6 Reserve-Compagnien mit 90 Serezanern seines Regiments und eine 3-Pfünder-Kanone zur Vorrückung an den Cordon, stellte die Reserve-Compagnien bei den Posten Paunovac, Kamen, Kolo und Laisa zur Deckung der Grenze auf und liess, um Mitternacht zum 9. Juli, über die Glina bei Paunovac, eine Brücke schlagen. Er liess zur Bewachung der Brücke eine Feld-Compagnie zurück und dirigirte die übrigen Expeditionstruppen in drei Colonnen auf das jenseitige Gebiet, in der Absicht, Podzvizd in Asche zu legen, die Bewohner dieses Ortes und die voraussichtlichen Vertheidiger derselben zu züchtigen.