Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1881)

Original-Briefe König Friedrich's II. im k. k. Kriegs-Archive zu Wien

Originalbriefe König Friedrich'» ]i. im Kriegs-Archive zu Wien. 345 Entsatz versucht würde. Demnach konnte der Prinz von Dessau in der von 3 preussischen Bataillonen und 3 Grenadier-Compagnien be­setzten Stadt die Stände der Grafschaft dem König Friedrich II. den Huldigungseid schwören lassen (29. Jänner 1742). Gleichwohl erhielt das Volk von Glatz noch lange Zeit seine Sympathien für Österreich lebendig und lieferte im Verein mit den Böhmen den Generalen Maria Theresia’s die besten Kundschafter '). Der König von Preussen, dessen Beziehungen zu den Nymphen­burger Verbündeten sich zu trüben begonnen hatten, führte seine Hauptarmee aus Mähren auf den böhmischen Kriegsschauplatz und nahm seine Stellung so, dass das Umschliessungscorps vor Glatz seinen linken Flügel und Pivot bildete. Der Prinz von Dessau, vom König bestürmt, der Sache vor Glatz ein Ende zu machen, fand Fontanella unerschütterlich und vermochte den braven Commandanten weder durch Versprechungen, noch' durch Drohungen zu einer Capitulation zu bewegen. Als Friedrich II. einen Tag in der Stadt Glatz zubrachte, gab Fontanella in der Festung seinen vor Hunger siechen Soldaten ein Fest zu Ehren der Siege des Feldmarschalls Khevenhüller über die Bayern. Erst am 27. April 1742, als die Besatzung auf 430 dienst­fähige Soldaten zusammengehungert war, entschloss sich der Oberst­lieutenant Fontanella, mit dem preussischen General-Major von Derschow über die Capitulation zu verhandeln, in Folge welcher eine Grenadier- Compagnie des Infanterie-Regiments Jeetze von der Festung, 30 Ge­schützen, einigen Mörsern und einem beträchtlichen Vorrathe an Munition Besitz nahm. Der Wortlaut der Capitulations - Urkundes) sicherte die Martinskirche und die Kapelle im oberen Schlosse dem katholischen Gottesdienste und der Besatzung den freien Abzug mit kriegerischen Ehren, sowie die Mitführung von drei Feldgeschützen, welche den Infanterie-Regimentern Max Hessen, Kolowrat und Carl Lothringen gehörten. Mit nur 9 gesunden Soldaten traf Fontanella in Brünn ein. In der Schlacht von Czaslau (Chotusitz) am 17. Mai 1742 be­haupteten die Preussen, obwohl mit schweren Verlusten, das Schlacht­feld gegen die Armee des Herzogs Carl von Lothringen. Grossbritannien drängte nach der Schlacht von Czaslau noch energischer als im Vor­jahre zum Abschlüsse eines Separatfriedens zwischen Österreich und Preussen, und Friedrich II. gab im Präliminarfrieden zu Breslau (11. Juni 1742) und im definitiven Friedensschlüsse zu Berlin *) *) Friedrich II. an den Erbprinzen Leopold von Dessau. Selowitz, 16. März 1712. „Aus allen inliegenden Schreibens werden Sie sehen, was vor Gottlos Sclielm- Pack in Böhmen ist; es muss mit aller Rigueur examiniret werden, um dass man heraus bringt, was der Feind vor ein Dessein hat.“ — v. Orlich: Geschichte der schlesischen Kriege nach Originalquellen. Berlin 1841. 1. Band, Seite 417. 2) Kriegs-Archiv, Feldacten 1742, 4/53. 24*

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