Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1881)

Moriz v. Angeli, Major im k. k. Kriegs Archive: Der Krieg mit der Pforte 1736 bis 1739 - II. Der Feldzug von 1737

310 Der Krieg mit der Pforte 1736—39. aber zum Schaden der Allerhöchsten Interessen um so weniger müssig liegen, als die Armee bei Nissa Mangel leide, während sie an der Donau Überfluss finden werde. Bei diesen Ansichten blieb Feldmarschall Seckendorf auch dann, als die Nachrichten von den Unglücksfällen in Bosnien einlangten und die Zuschriften aus Wien immer dringender die Unerlässlichkeit des Besitzes dieser Provinz betonten. Feldmarschall Seckendorf erklärte für Bosnien nicht mehr thun zu können, als Hildburghausen vorläufig an die untere Save zu ziehen und ihn auf die Unterstützung durch den bei Novibazar stehenden Obersten Lentulus anzuweisen; alles Übrige müsse bis nach Beendi­gung der Expedition gegen Widdin verschoben werden. Neben diesen officiellen Motiven gab es allerdings auch noch andere privater Natur, die, auf der damals so eifersüchtig bewachten Rangsordnung fussend, die ersteren häufig an Einfluss überragten, immer aber die Führung des Oberbefehles unendlich erschwerten. So schreibt Seckendorf am 6. August an Hildburghausen, dass, wenn 5—6000 Mann von der Hauptarmee zur Unterstützung nach Bosnien geschickt würden, das Commando über selbe dem Feldmarschall Philippi zufiele, dem sich der Prinz dann unterordnen müsste. Aus Devotion gegen den Prinzen werde jedoch er (Seckendorf) diese Eventualität erst im alleräussersten Falle herbeiführen '). Obschon Feldmarsehall Seckendorf sowohl durch den Obersten Grafen Grünne mündlich, als auch später schriftlich in Wien ver­sicherte, er werde keine neue Operation vornehmen, ohne vorher seinen Plan der Approbation des Hofkriegsrathes zu unterlegen, so führte er doch schliesslich die Operation gegen Widdin eben so auf eigene Faust durch, wie seinerzeit die Verlegung der Operations linie von Widdin nach Nissa. Als gleichzeitig mit der Ankunft Feld­marschall Khevenhüller’s bei der Armee, auch Nachrichten über die Bewegung einzelner feindlicher Haufen am Timok und bei Widdin im Hauptquartiere einliefen, beschloss Seckendorf die Absendung eines 8—9000 Mann starken Corps mit dem entsprechenden Geschütze zur Berennung, beziehungsweise Belagerung Widdins. Des schwierigen Terrains halber sollte jedoch dieses Corps nicht vereint, sondern brigadenweise in Marsch gesetzt werden. Am 1. August ging die erste derselben unter Commando des Feldmarschall Grafen Khevenliüller in der Stärke von 6 Cavallerie- Regimentern, 100 Huszárén, 20 Grenadier-Compagnien und 4 Feldstücken ab; am 3., 7., 8. und 9. folgten noch 11 Reiter-Regimenter, denen sich auch der Herzog Franz von Lothringen anschloss. Die schwere Artillerie, 36 Geschütze unter Oberstlieutenant Nussdorf, traten unter ') Kriegs-Archiv 1737; Fase. VIII, 34.

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