Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1881)

Moriz v. Angeli, Major im k. k. Kriegs Archive: Der Krieg mit der Pforte 1736 bis 1739 - II. Der Feldzug von 1737

II. Der Feldzug von 1737. 311 Bedeckung von 4 Bataillonen und 4 Grenadier-Compagnien den Marsch am 16. August an, da für -sie erst der Weg durch die Wälder gehahnt, theilweise sogar durch Felssprengungen hergestellt werden musste. Als fernere Ergänzung des Corps gegen Widdin waren die sächsischen Hilfstruppen bestimmt, welche unmittelbar nach ihrem Eintreffen in Belgrad dahin abzugehen hatten. Von der Donau-Flotte wurden die in Orsova liegenden Kriegs­schiffe „St. Elisabeth“ und „St. Carl“ an die Timok-Mündung beordert, um die dort herzustellende Schiffbrücke über die Donau zu decken, Da Feldmarschall Seckendorf der Ansicht war, dass in Folge der Besetzung Nissa’s ein Succurs für Widdin nur am linken Donau- Ufer herankommen könne, so erhielt FZM. Wallis den Auftrag, längs der Aluta und an deren Mündung gut armirte Schanzen anzulegen, welche das Vordringen feindlicher Kräfte zu Lande und auf der Donau hindern konnten; auch wurde dem Feldzeugmeister ferner noch aufgetragen, 2000 Frohnarbeiter für die Verwendung in den Tranchéen zu requiriren und viele Tausende von Faschinen und Schanzkörben anfertigen zu lassen. Eine besondere Instruction für die Durchführung der Operation erhielt Feldmarschall Khevenhüller aus dem Grunde nicht, weil den Feldmarschall Philippi bei seiner Detachirung nach Paraein ebenfalls nach eigenem Ermessen zu handeln überlassen worden war, mithin dasselbe Vorrecht auch dem Leiter der Unternehmung gegen Widdin gewahrt bleiben musste. Während sich das Corps des Feldmarschall Khevenhüller gegen Widdin bewegte, blieb die Hauptarmee ruhig in ihrem Lager bei Nissa. Feldmarschall Seckendorf vermied aus schon bekannten Gründen jede grösscro Unternehmung und beschränkte sich auf die Entsendung einzelner Detachements und Streif-Commanden. Hiezu ist vornehmlich der Überfall zu rechnen, durch welchen eine raizische Frei-Compagnie sich am 31. Juli des befestigten Postens Mustafa Pascha- (Alt-) Palanka und der wichtigen Pass-Sperre Pirot auf der Strasse Nissa-Sophia bemächtigte. Oberst Lentulus war bis Karanovac vorgedrungen und im Begriffe, Novibazar zu besetzen, welches die Türken auf die Nachricht von seinem Anmarsche geräumt hatten. Ausser diesen beiden Colonnen batte aber keine andere ein nennenswertlies Kesultat aufzuweisen, obwohl die Armee durch die vielen Detachirungon so sehr in Anspruch genommen wurde, dass auch nicht Ein Cavallerie-Kegiment complet blieb und manche Detachements selbst den folgenden Winter über, nicht zu ihren Truppenkörpern gelangen konnten. In Wien drang die Besorgniss hinsichtlich der Kriegführung Seckendorfs weit über die massgebenden Kreise hinaus; die ganze Stadt war alarmirt wegen der allgemein bekannten Zersplitterung der Armee, von der, wie Jeder überzeugt war, das Heil des Staates Mittheilungen des k. k. Kriegs-Archivs. 1881. 22

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