Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1881)

Moriz v. Angeli, Major im k. k. Kriegs Archive: Der Krieg mit der Pforte 1736 bis 1739 - II. Der Feldzug von 1737

II. Der Feldzug von 1737. 309 jenen Schaden und Gefahr, welcher man sich exponirt sähe, wenn dem Hildburghausen’sclien Corps einiges Unglück widerführe“. Wie die Situation unmittelbar nach dem Falle Nissa’s stand, war es kaum schwierig, beiden Anforderungen in kürzester Zeit gerecht zu werden. In Widdin befanden sich bei 5000 Bewaffnete, worunter nur 600—1000 Reguläre; es fehlte fast gänzlich an Artilleristen, und die Kunde von der Capitulation von Nissa konnte nicht anders als höchst entmuthigend auf die Besatzung wirken, so dass man hoffen durfte, sich Widdins auf dieselbe Weise wie Nissa’s zu bemeistern. In dieser Voraussicht hatte sich Feldmarschall Philippi gleich nach der Ankunft der Armee vor Nissa erboten, mit seinem Corps nach Widdin zu marschiren, wo er entweder sich rasch des Platzes bemächtigen oder successive verstärkt und General-Major Marulli im schlimmsten Falle angewiesen weiden könne, die schwere Artillerie für eine even­tuelle Belagerung auf der Donau nachzusenden. Feldmarschall Secken­dorf wies dieses Anerbieten jedoch aus dem Grunde zurück, weil er keinen Anlass zur Eifersucht zwischen den Feldmarschällen bei der Armee geben wolle und daher die Expedition gegen Widdin für den, krank­heitshalber in Wien zurückgebliebenen Feldmarschall Khevenhüller reservire, nachdem Feldmarschall Philippi schon ein Detachement nach Paracin geführt habe. Gleichwohl entschied sich Seckendorf ungeachtet des besonderen Nachdruckes, der in Wien auf die Occupation Bosniens gelegt wurde, und ohne Rücksicht auf den Verlauf der Operationen des Prinzen von Sachsen - Hildburghausen, von dem er ohne jede Nachricht war, für eine Operation gegen Widdin, und zwar mit der ganzen Armee und allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln. Als Gründe, die ihn hiezu bestimmten, gibt er in seinem Berichte an den Hofkriegsrath die Rück­sicht auf den russischen Alliirten an, von dem die widersprechendsten Nachrichten von Oczakow einliefen. Während die Einen von einem Siege und der Eroberung Oczakows sprachen, wussten die Anderen von einer totalen Niederlage zu berichten. Sei nun ersteres richtig, so würden sich die Russen zunächst nach den Donaufürstenthümern wenden und hätten dort freie Hand, wenn die kaiserliche Armee, statt Widdin zu belagern, nach Bosnien abgezogen wäre; andernfalls aber müsse man tractatmässig an die Donau marschiren, wolle man Russland nicht gewaltsam zu einem Separatfrieden drängen; Oberst Darewski habe diesbezüglich „bescheiden aber nachdrücklich“ die Einhaltung der Convention gefordert. Endlich — berichtet Graf Seckendorf — sei es ihm, ganz abgesehen von dem Alliirten, nicht möglich, ohne jede Vorbereitung in ein gebirgiges, aller Nothdurft entblösstes Land zu ziehen, und wären mindestens 4—6 Wochen noting, um zwischen Nissa und der Drina die noth- wondigen Magazine zu etabliren. Während dieser Zeit könne man

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