Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1881)

Moriz v. Angeli, Major im k. k. Kriegs Archive: Der Krieg mit der Pforte 1736 bis 1739 - II. Der Feldzug von 1737

304 Der Krieg mit der Pforte 1736—39. massgebend, da derselbe die Belagerung von Zwornik nur in Vor­aussetzung der Einnahme Banjaluka’s angeordnet habe. So lange aber diese Voraussetzung sich nicht erfüllt, könne man auch keine Opera­tionen gegen Zwornik unternehmen und dadurch die kaiserlichen Grenzen gegen Bosnien und Türkisch-Croatien blossstellen. Schliesslich erhielt der Prinz den gemessenen Befehl, unverzüglich nach Gradiska zurückzugehen, dort die Save zu überschreiten und in dem vorteil­haften Lager bei Machica (Mrasic) eine beobachtende Stellung zu nehmen, um für alle Fälle, besonders aber zur Unterstützung des Banus, den man in Wien in vollster Offensive begriffen glaubte, bereit zu sein. Es ist kein Zweifel gestattet, dass diese Verfügung des Hof­kriegsrates auf das geringe Einverständniss zurückzuführen ist» welches zwischen dem Prinzen Hildhurghausen und dem Banus herrschte, und auf die übertriebenen, tendenziös gehaltenen Berichte, mit welchen Letzterer die Besorgniss des Grazer Hofkriegsrates hin­sichtlich Inner-Österreichs nährte. Der Prinz säumte nicht, sich auf das Entschiedenste zu rechtfer­tigen und das Peinliche der Lage vorzustellen, in welcher er sich zwischen zwei divergirenden Befehlen der tatsächlichen Situation gegenüber befände. Er wies umständlich nach, dass für den Banus absolut keine Gefahr bestehe, während die untere Save sowohl, als auch die Hauptarmee durch den constatirten Rechtsabmarsch der feindlichen Streitkräfte enistlich bedroht seien. Unter den obwaltenden Verhältnissen erübrige ihm nichts Anderes, als sich den Befehlen des Hofkriegsrates, als der höheren Behörde, zu fügen und, nachdem er die Garnisonen an der unteren Save nach Thunlichkeit verstärkt habe, am 24. wieder zurück nach Gradiska zu marschiren. Treffe ihn dort kein neuer Befehl aus Wien, so werde er über die Save gehen, aus sanitären Rücksichten jedoch nicht bei Macbica, sondern bei Rievci die angeordnete Beobachtungsstellung beziehen. Um dort nicht unthätig zu bleiben, schlug er vor, im Vereine mit dem Banus Novi zu belagern, bemerkte jedoch, dass auch durch eine solche Aufstellung eine absolute Deckung der Erbländer nicht bewirkt werde. Am 28. August kam Prinz Hildhurghausen nördlich von Gra­diska an. Die angestrengten Märsche im ungünstigsten Wetter, wäh­rend welchen dreimal die Save aus den Ufern trat und weitgedohnte Strecken in giftigen Sumpf verwandelte, hatten den Gesundheits­zustand des Corps hart betroffen. Ende August zählte dasselbe bereits 5158 Kranke. Während der längeren Rast, die hiedurch von selbst bedingt war, kam die Antwort des Hofkriegsratbes. Nach weitläufiger Beleuchtung aller denkbaren Möglichkeiten wurde schliesslich doch zugegeben, dass mau in diesem Falle nur schwer von Wien aus positive Weisungen

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