Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1881)

Moriz v. Angeli, Major im k. k. Kriegs Archive: Der Krieg mit der Pforte 1736 bis 1739 - II. Der Feldzug von 1737

II. Der Feldzug von 1737. 303 Schwerwiegender waren die Folgen für die untere Save und dadurch mittelbar auch für Serbien. Nach den misslungenen Versuchen, dem Rückzüge Hildburg- hausen’s gefährlich zu werden, hatten die Türken ihre Streitkräfte bei Banjaluka concentrirt und waren am 12. August nach Tesajn und Doboj im Bosna-Thale abgezogen. Hiedurch war die ganze untere Save von Brod bis Raca bedroht, und bei den übertriebenen Gerüchten, welche hinsichtlich der türkischen Truppen sowohl, als bezüglich des Gefechtes von Banjaluka im Umlaufe waren, konnte es nicht Wunder nehmen, wenn in den gefährdeten Grenzdistrictcn momentan eine förmliche Panique ausbrach. Von den jenseits der Save liegenden Posten wurden Bjelina und Prnjavor geräumt; der Commandant von Raca hatte bereits das Artillerie-Materiale nach rückwärts in Sicherheit bringen lassen, ja man sprach sogar davon, das wichtige Sabac aufzugeben. Wenn schon diese Umstände den Prinzen Hildburghausen bestimmen mussten, sich so rasch als möglich der bedrohten Richtung zuzuwenden, so wurde er in seinen Entschlüssen noch durch einen directen Befehl des Armee - Commandanten bestärkt, der ihm kurz vor dem Übertritte über die Save zugekommen war. Feldmarschall Seckendorf, noch ohne Kenntniss von den vollständig veränderten Verhältnissen am Vrbas, ordnete an, dass Banjaluka nach dessen Einnahme zu sprengen sei und das Corps sich ungesäumt gegen Zwornik in Marsch zu setzen habe, um auch dieses zu belagern. An der Save angelangt, hatte Prinz Hildburghausen daher auch keinen Augenblick verloren, um den kaiserlichen Commandanten oberwähnter Plätze die dringend erbetene Verstärkung zukommen zu lassen und einer Desarmirung der unteren Savegrenze vorzubeugen. Gleich nach dem Eintreffen gingen einige Schiffe mit Truppen und Munition flussabwärts; der Prinz selbst setzte sich mit dem Gros, ungeachtet dasselbe zu einer Belagerung von Zwornik weder stark genug noch hinreichend gerüstet war, am 17. in Marsch und erreichte am 21. Brod, von wo er den Major Petrowsky mit 600 Deutschen und Croaten nach Bjelina vorschob, der diesen Posten den Türken wieder abnahm. Dem weiteren Vorrücken des Corps stand nichts im Wege, und es kann kaum einem Zweifel unterliegen, dass dessen rasches Er­scheinen an der Drina auch die Operationen der Hauptarmee nur vortheilhaft beeinflusst haben würde. In Brod jedoch erhielt Prinz Hildburghausen ein Rescript des Hofkriegsrathes, in welchem letzterer sowohl den Rückzug des Corps von Banjaluka bis über die Save, als auch den Marsch gegen Zwornik auf das Härteste verurtheilte. Der Befehl des Armec- Commandanten — führte der Hofkriegsrath aus — sei liier nicht

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