Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (1878)

Das Bildungswesen im österreichischen Heere vom dreissigjährigen Kriege bis zur Gegenwart. (Beitrag zu Culturgeschichte Österreichs.) Nach Originalquellen von Josef Ritter Rechberger von Rechkron, Major im k. k. Kriegs-Archiv

56 Das Bildungswesen im österreichischen Heere ihres Gebrauches, angewandte Taktik, Erdbeschreibung, allgemeine Weltgeschichte, böhmische Sprache“. Schon am 2. Mai 1808 erfolgte die vollständige Erledigung von Seite Sr. kaiserlichen Hoheit des Erzherzogs Carl, welcher seine Befehle iu folgender Weise schliesst: „Der Hofkriegsrath hat nunmehr nach den vorstehenden Grundlinien die Errichtung und Organisirung der vier Cadeten - Compagnien unverzüglich einzuleiten; dom commandirendcn General der betreffenden Länder mache ich es zur besonderen Pflicht, zur baldmöglichsten Zustandebringuug dieser Institute auf das thätigste raitzuwirken. Carl m. p.Am 16. Juni 1808 veröffentlichte der Hofkriegsrath „die Vorschrift, die neu zu errichtenden Cadeten-Schulen betreffend“, und es traten noch in dem nämlichen Jahre die Anstalten in’s Leben2); doch sind in den Acten nur die Aufstellungsorte von dreien, nämlich zu Olmütz, Theresienstadt und Cilly, nachweisbar. 6) Die Olmützer Cadeten-Compagnie. Der Errichtung der Olmützer Cadeten-Compagnie hatte der Landes-Commandirende von Mähren, General der Cavallerie Erzherzog Ferdinand, seine vollste Aufmerksamkeit zugewendet und in einem detaillirten Memoire an don Hofkriegsrath die Organisation des Insti­tutes und auch den Unterrichtsplan mitgotheilt. In ersteror Beziehung befürwortete er die günstige materielle Stellung nicht nur der Lehrer, sondern auch der Zöglinge auf das wärmste: „Um nun die beruhigende Überzeugung zu haben, dass diese Cadeten sich sorgenlos ihrem Studio widmen können und bei gehöriger Leibeskraft erhalten werden, ist unter Anhoffnung der höchsten Genehmigung die Bewilligung ertheilt worden, .... die Menage zu verbessern.“ Rücksichtlich des Unter­richtes bemerkt der Erzherzog: „bei dieser Gelegenheit, und in der Be­trachtung, dass zum Unterrichte in der Mathématique, der Feldbefesti­gung und der Erdbeschreibung ein Mann erfordorlich sei, der nicht nur selbst gründliche Kenntnisse in diesen Wissenschaften, sondern auch die Art einer leichten Mittheilung haben muss, indem er durch die Mathématique den Grund zu allem übrigen Unterricht legen soll, dahero die Wahl eines solchen Lehrers grosse Rücksichten verdient, so wird .... in Vorschlag gebracht“. „In der Tagesordnung sind einige Lehrgegenstände eingetragen, von welchen in dem Normale keine Erwähnung geschieht. Sollte höchsten Orts genehmigt werden, auch diese in Anwendung zu bringen, so wird die Folge Gelegenheit zu sogestalteter Verbesserung der Anstalt geben. Brünn, am 8. October 1808. Ferdinand m. p., Erzherzog3).“ *) *) Registratur des Reichs-Kriegs-Ministeriums 1808; Fase. IV. Nr. 7. 2) Kriegs-Archiv 1808; Fase. XI. Nr. ad 219. 3) P. 1554, 1681, 1708, 1727, 1752, Registratur des Reichs-Kriegs-Ministe­riums 1808; P. Fase. VI. Nr. 69/24.

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