Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (1878)

Das Bildungswesen im österreichischen Heere vom dreissigjährigen Kriege bis zur Gegenwart. (Beitrag zu Culturgeschichte Österreichs.) Nach Originalquellen von Josef Ritter Rechberger von Rechkron, Major im k. k. Kriegs-Archiv

vom dreissigjiilirigen Kriege bis zur Gegenwart. 57 Dio „Specification der benöthigten Bücher, Landkarten und Zeichnungs-Instrumente“, welche der Erzherzog vorlegte, zeigen, in welchem Sinne er die Bildung des Officiers-Nachwuchses auffasste: „Erdbeschreibung von Fabri und von Büsching; Allgemeine Welt­geschichte von Schütz; Länder- und Völkerkunde von demselben; Allgemeine Weltgeschichte von Millot; Schmidt’s Geschichte der Deutschen; Reisser’s Geschichte der österreichischen Monarchie; Adelung’s grosses Wörterbuch; Deutsche Sprachlehre; Ueber den deut­schen Styl; Kleines Wörterbuch; Anweisung zur deutschen Orthographie; Deutsches Dictionnaire von Richter; Geschichte des 30jährigen Krieges von Schiller; Geschichte des spanischen Successionskrieges; Geschichte der Kriege zwischen Preussen und Österreich; Aus den hinterlassenen Werken Königs Friedrich von Preussen; Geschichte des 7jährigen Krieges von Lloyd; Europäische Annalen von Poppelt; Der alte und Österreichs Plutarch; Moralische Schriften, worunter: Moral für Preussens Krieger von Sangershausen; Bibliothek von Reisebeschreibungen; Österreichische militärische Zeitschrift“ *). — Der kaiserliche Prinz wollte wissenschaftliche Bildung auch in den unteren Schichten der Armee rasch verbreiten; er musste sich aber vor der Macht der Administrativ-Behörde beugen, denn diese fand es für gut, zu entscheiden: „Die mit dem Bericht vom 11. dieses eingesendete Specification der für die dortlandige Cadeten-Compagnie erforderlichen Bücher, Karten und Zeichnungs-Instrumente enthält Manches, dessen Anschaffung zu kostspielig, theils auch um so mehr entbehrlich ist, als der Ankauf von Bibliotheken der einfachen Bestimmung dieser militärischen Bildungsanstalt keineswegs entspricht2).“ — Erwägt man, dass in der Specification nachgewiesen ist, wie, falls „alle Bücher neu angekauft werden müssten, die Auslage beiläufig 565 fl. 10 kr.“ und „für Landkarten 32 fl. 24 kr. betragen“ hätte, so wirft dies ein Streif­licht auf den Standpunkt, welchen die Administrativ-Behörde jener Zeit einnahm. Völlig klar aber wird das Verhältniss derselben zur Armee durch den Vortrag vom 4. April 1801 , in welchem Erzherzog Carl, zum Kriegsminister ernannt, dem Kaiser darlegt, in welcher Weise die oberste Militär-Behörde ihre Mission bisher aufgofasst habe. Besonders ist der Umstand hervorgehoben, wie die Administration „zu einer ausschliesslichen Beschäftigung“ geworden sei, „wobei man fast alles Übrige vernachlässigte“. „Dies habe auf die Armee, auf den militärischen Geist noch weit schädlichere Folgen als auf das Aorarium. Diese Schreibmanie“ müsse „diesemnach mit Unterdrückung allen militärischen Genies, mit Beseitigung alles Antriebes zum Studium der *) *) Registratur des Reichs-Kriegs-Ministeriums 1808; G. Fase. VI. Nr. 69/31. 2) Registratur des Reichs-Kriegs-Ministeriums 1808, Nr. 5238.

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