Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (1878)

Das Bildungswesen im österreichischen Heere vom dreissigjährigen Kriege bis zur Gegenwart. (Beitrag zu Culturgeschichte Österreichs.) Nach Originalquellen von Josef Ritter Rechberger von Rechkron, Major im k. k. Kriegs-Archiv

vom dreissigjälirigen Kriege bis zur Gegenwart. 55 Besondere Bedeutung aber hat der hofkriegsräthliche Motiven- Bericht vom 22. März 1808. „Es ist bekannt, dass mancher Staat, der in dem Fall war, der Nation eine militärische Bildung geben zu müssen, anfangs bemüssigt war, seine Zuflucht zu fremden gebildeten Menschen zu nehmen. Doch wenn derselbe zur Selbständigkeit gelangen wollte, musste er beflissen sein, das Augenmerk vorzüglich dahin zu richten, diesem Mangel durch eigene Erziehungs-Anstalten zuvor zu kommen. Um nun diesen Zweck im österreichischen Staate zu erreichen, wäre vor Allem nothwendig, dass in demselben auf eine gereinigte National-Erziehung der Jugend fürgedacht, und durch Beibringung der nöthigen wissenschaftlichen Elementar-Kenntnisse der Grund zur Bildung derselben für alle Stände gelegt werde. Vorzüglich aber bei dem Adel, den Honoratioren und den sonst bemittelten Ständen, in Betracht der Vorzüge, welche dieselben im Staate geniessen, soll das Ehrgefühl, solchem zu dienen, und die Pflichten, sich dem Militärstande zur Vertheidigung des Vaterlandes zu widmen, rege gemacht werden. Denn die höheren und vermöglicheren Stände haben wegen ihrer mit Aussichten zu höheren Stellen verbundenen Vorrechte auch höhere Verbindlichkeiten und Verpflichtungen fűi­den Staat, wovon dieselben einen wesentlichen Theil ausmachen. Menschen hingegen von der ärmeren Classe im Staate, welche keine solche gute Erziehung geniessen und sich der Vorrechte nicht wie die bemittelten Stände zu erfreuen haben, machen sieb von den Verpflich­tungen für das Vaterland, welches nicht so wohlthätig für sie ist, los und vermeinen solches nicht selten da zu finden, wo dieselben eine Verbesserung ihres Schicksales hoffen. Wenn nun durch eine zweck­mässige, gute Bildung bei der Jugend in den wissenschaftlichen Vorkenntnissen der Grund geleget wird, so dürfte es alsdann auch so leichter sein, gebildete Menschen zu den höheren Militär-Chargen zu erhalten, und dadurch dem diesfälligen Mangel abgeholfen werden 1).'i Kurz nach diesem Vortrage wurde vom Hofkriegsrathe der Vor­schlag zur Errichtung von „vier Cadeten-Compagnien, und zwar: eine in Böhmen, eine in Mähren, eine in Nieder-Österreich und eine in Inner- Osterreich“, dem Generalissimus vorgelegt. Selbe sollen derart zusam­mengesetzt sein, dass in die beiden letzteren je 15 Regimenter ihre Cadeten dahin abgeben würden. „Der Stand“ für jede der vier Compagnien war mit „1 Haupt­mann, 1 Oberlieutenant, 1 Unterlieutenant, 1 Feldwebel, 6 Corporalen, 1 Fourier und 124 Cadeten“ beantragt, und der Unterricht sollte sich erstrecken: „auf Dienst- und Exercir - Reglement, fertig und orthogra­phisch Dictandoschreiben, Arithmetik, Planimetrie, Situations-Zeichnung und k la vue-Aufnahme, Feldbefestigung, Kenntniss der Waffen und *) *) Registratur des Reichs-Kriegs-Ministeriums 1808; Fase. IV. Nr. 7.

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