Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (1878)

Das Bildungswesen im österreichischen Heere vom dreissigjährigen Kriege bis zur Gegenwart. (Beitrag zu Culturgeschichte Österreichs.) Nach Originalquellen von Josef Ritter Rechberger von Rechkron, Major im k. k. Kriegs-Archiv

vom dreissigjährigen Kriege bis zur Gegenwart. 49 dio Knaben unter und über dem 11. Lebensjahre völlig von einander geschieden wurden, und die Abhängigkeit von den Regimentern auf hörte1). Der weitere Entwicklungsprocess dauerte längere Zeit. Einerseits sollte die Heeresleitung für eine völlig veraltete Institution, welcher die fernere Existenz-Berechtigung mangelte, eine neue, den veränderten Verhältnissen entsprechende schaffen, anderseits wieder einen gewissen Grad von Schonung für die materielle Lage der Armee-Angehörigen vor­walten lassen, welch’ letztere ein plötzlicher Wechsel empfindlich treffen musste. Die völlige Beseitigung unmittelbar nach dem Jahre 1848 hätte gewiss in der Armee eine, obschon keineswegs zu rechtfertigende, Ver­stimmung hervorgerufen; denn der heute herrschende Begriff, dass das private Interesse dem Staatszwecke völlig untergeordnet werden müsse, hatte sich damals kaum noch Bahn gebrochen. Nach dem Regiemen^ vom Jahre 1857 bestanden 5 Ober- und 5 Unter-Erziehungshäuscr. Erstere 2) waren zu Prerau, Fischau, Bruck a. d. Leitha, Weisskirchen im Banate und in Belluno für je 100 Zög­linge, die bei der Aufnahme das 7. Lebensjahr erreicht haben mochten, aber nicht überschritten haben durften, mit vierjährigem Curse als Vorbereitung für die Ober-Erziehungshäuser errichtet. Der Lehrplan umfasste: Religionslehre, deutsche Sprache, Kopf- und Tafelrechnen, Naturgeschichte, Schönschreiben, Freihandzeichnen, Abrichtungs-Reglement, Turnen und Schwimmen. Die Ober-Erziehungshäuser 3) mit je 200 Zöglingen und vierjährigem Curse zu Kuttenborg, Kasehau, Güns, Kamenitz und Strass bezweckten die Vorbereitung für den Eintritt in die Schul-Compagnien und in die Schul- Escadron. Der Lehrplan umfasste: Religionslehre, deutsche, böhmische (zu Kuttenberg), ungarische (zu Kasehau und Güns), italienische (zu Strass), romanische (zu Kamenitz) Sprache, Arithmetik, Geographie und Geschichte, Naturgeschichte, Abrichtungs-Reglement, Schönschreiben, i Freihandzeichnen, Turnen, Stockfechten und Schwimmen. Die Kost in den Ober- und Unter-Erziehungshäusern war gleich und bestand aus dem Frühstücke (Milch), dem Mittagsmahle (Suppe, Rindfleisch und Gemüse oder Mehlspeise) und dem Abendmahle (Gemüse oder Mehlspeise). Die Auflas sung dieser Anstalten in dem vierten Zeitabschnitte erfolgte nach und nach, so z. B. jene des Unter-Erziehungshauses zu Belluno 18624), zu Weisskircheu 1868 s), zu Fischau 1870; des Ober- Erziehungshauses zu Kasehau erst 1871e). ') Armee-Verordnungsblatt Nr. 15 vom 16. Februar 1852. 2) Das Lehr- und Aufsichtspersonale bestand aus 1 Officier, 1 Arzt und 37 Personen vom Feldwebel abwärts. 3) Das Lehr- und Wartepersonale bestand aus 3 Officieren, 1 Arzt und 57 Per­sonen vom Feldwebel abwärts. 4) Armee-Verordnungsblatt, Präsidiale 2860, Nr. 130. 5) Circular-Verordnung, A. VI, Nr. 2957. 6) Armee-Verordnungsblatt Nr. 23 vom 27. Mai 1871. Österr. militär. Zeitschrift. 1878. (Mittheilungen dps Kriegs-Archivs.) 4

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