Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (1878)
Das Bildungswesen im österreichischen Heere vom dreissigjährigen Kriege bis zur Gegenwart. (Beitrag zu Culturgeschichte Österreichs.) Nach Originalquellen von Josef Ritter Rechberger von Rechkron, Major im k. k. Kriegs-Archiv
vom dreissigjährigen Kriege bis zur Gegenwart. 21 Wirkung geblieben; dock lasteten Robot und Zehnten noch immer als harter Druck auf dieser Gesellschaftsclasse. In dem staatlichen Unterrichtswesen trat insoferne eine Verbesserung ein, als 1808 für die Volksschule der wichtigere Theil der Lehrbücher umgearbeitet war; doch erfolgten in den nächsten 40 Jahren keine wesentlichen Modificationen. Die zu Beginn des Jahrhunderts namhaft vermehrte Zahl der Gymnasien blieb in den Händen des Clerus; das Streben der Hochschulen beschränkte in gewissen Richtungen die Censur *), und blos in den realen Wissenschaften, für welche zu Wien, Brünn, Lemberg, Brody, Triest etc. eigene Lehranstalten in’s Leben gerufen wurden, blieb der fachlichen Entwickelung ein freieres Feld. Die Entdeckungen auf dem Gebiete der Physik, Chemie, Geographie, Geologie u. s. w., die Fortschritte in der Heilkunde, Technik, Industrie, überhaupt in Allem, was zum geistigen und physischen Bedürfnisse des Menschen gehört, gelangten vom Beginne des Jahrhunderts an mehr und mehr mit aller Macht zur Geltung und fanden in Österreich fruchtbaren Boden, wo der intelligente, nicht in geringer Zahl vertretene Theil der Bevölkerung geräuschlos an seiner geistigen Ausbildung arbeitete. Jedes in der Chemie neu entdeckte Element, jeder gelungene physikalische Versuch, jede neue Maschine, die Dampfboote, die Eisenbahnen halfen zusammen, jene geistige Bewegung vorzubereiten, deren Krisis den Schluss dieses Zeitabschnittes bildete. Nicht das Bürgerthum oder der Bauernstand, sondern Gelehrte und praktische Männer der Wissenschaft bahnten den Weg. Dass die Räthe der Krone, welche das Geschick des österreichischen Heeres zu lenken hatten, die kommende Zeit und ihre Forderungen wohl begriffen, werden die folgenden actenmässigen Darstellungen über die Entwickelung des Bildungswesens klarlegen. Vorläufig erübrigt nur noch, die allgemeinen Verhältnisse der Armee einer flüchtigen Betrachtung zu unterziehen. Zu Beginn des Zeitabschnittes zogen noch die österreichischen Veteranen aus den Türkenkriegen gegen die französische Jugend in’s Feld, und selbst 1813 und 1814 bestand das Heer, seinem Hauptstamme nach, aus altgedienten Berufssoldaten. Auch in den folgenden Decennien konnte das junge Element nicht vorherrschen, da eine 14jährige Dienstpflicht Norm, und bei den Regimentern ungarischer Nationalität die Anwerbung aut Lebensdauer nichts Seltenes war. Die in dem vorhergegangenen Zeitabschnitte so zahlreichen Soldaten - Ehen wurden beschränkt und nahmen darum stetig ab. So hatte z. B. das Infanterie-Regiment Nr. 18 1806 nur mehr 182 Verheiratete, 1817 blos 70, 1830 blos 18; das Infanterie-Regiment Nr. 42 *) *) Bericht des Unterrichts-Ministeriums vom Jahre 1873.