Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (1878)
Das Bildungswesen im österreichischen Heere vom dreissigjährigen Kriege bis zur Gegenwart. (Beitrag zu Culturgeschichte Österreichs.) Nach Originalquellen von Josef Ritter Rechberger von Rechkron, Major im k. k. Kriegs-Archiv
22 Das Bildungswesen im österreichischen Heere hatte in seinen drei Bataillonen 1811 nur mehr 196 Verheiratete, 1819 blos 145, 1830 blos 67 und 1843 blos 43. Das Cürassier-Regiment Nr. 8 hatte 1812 nur mehr 43 Verheiratete, und 1820 blos 19 l). Die Zahl der Kinder verminderte sich in dem nämlichen Verhältnisse. Während der Kriegsepoche Hessen sich die Lücken in der Officiers-Charge schon äusserst schwer ausfüllen, denn das Wesen des Krieges hatte sich völlig verändert, und das Einwirken der untergeordneten Befehlshaber begann schwer in’s Gewicht zu fallen. Dies nöthigte schon vor Beendigung der Freiheitskämpfe, neue Institutionen in’s Leben zu rufen, um sich einen Nachwuchs intellectuell gebildeter Officiere zu sichern. Abgesehen von den technischen Corps, die eigene Lehranstalten besassen, bestand das Officiers-Corps der Masse der Armee nach den Kriegsjahren aus Männern, die ihr militärisches Wissen lediglich der praktischen Erfahrung verdankten; aus Zöglingen der verschiedenen militärischen Bildungs- und Erziehungs-Institute, die ein gewisses Mass von positiven Kenntnissen besassen; aus beförderten Unterofficieren, denen die Routine des Truppendienstes eigen war; endlich aus Personen, die durch den Machtspruch der in dieser Beziehung omnipotenten Regiments-Inhaber beim Eintritte in das Heer sogleich als Officiere angestellt wurden und blos eine allgemeine sociale, oft aber sehr mässige Bildung mitgebracht hatten. Auf den Geist der Armee übten diese Unterschiede keinerlei Wirkung und die im staatlichen Leben scharf ausgeprägten Gegensätze der verschiedenen Stände verschmolzen zu einem einzigen, von der nämlichen Idee getragenen Körper. Der intellectuelle Unterschied aber machte sich bei der Ausbildung des Heeres fühlbar. Die zu seiner Ausgleichung angewandten Mittel konnten nicht ausreichen, und darum blieb der Einzelne darauf angewiesen, das Versäumte durch Selbststudium nachzuholen. Gelegenheit dazu war in gewissem Masse durch die Regiments-Bibliotheken dargeboten ’). Doch konnten von diesem Mittel nur Jene Gebrauch machen, die der Zufall durch längere Zeit im Stabsorte festhielt, während der vorwiegend grössere Theil oft jahrelang nicht nur von diesem Born, sondern überhaupt von der geistig anregenden Gesellschaft gebildeter Classen fern blieb, wie dies in Galizien, Ungarn, Siebenbürgen, ja selbst in den kleineren Garnisons- Orten anderer Kronländer der Fall war. Im General-Quartiermeister-Stabe dagegen begann schon kurz nach Beginn unseres Jahrhunderts die systematische Schulung nicht 4) Fachrechnungs-Abtheilung des Reichs-Kriegs-Ministeriums; Zahl 7759. *) Die Gründung der ersten Regiments-Bibliotheken fällt in das erste Decennium unseres Jahrhunderts und begann beim 17., 24., 35., 36., 44., 58., 61. und 63. Infanterie-, beim 2. und 3. Artillerie- und 5. Grenz-Regiment. 1820 bestanden 11 Regiments-Bibliotheken; die Zahl derselben nahm stetig von Jahr zu Jahr zu, und zählte man schon 96 solcher Institutionen bei den Regimentern, selbständigen Bataillonen, Extra-Corps etc.