Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 2. (1877)
Die Neben-Operationen im Feldzuge 1859 in Italien
96 Die Neben-Operationen im Feldzuge 1859 in Italien. Begebenheiten nach abgeschlossenem Waffenstillstände. — Nach Verlautbarung der Waffenstillstands-Convention besetzte die k. k. Armee die Demarcations-Linie mit kleinen Posten, in deren Rücken sich auf den Haupt-Communicationen Unterstützungen befanden, wie folgt: Das 6. Armee-Corps vom Stilfser Joch der Grenze Südtirols entlang bis an die Etsch; die II. Armee von da längs der Etsch bis zum Tione und weiter bis Drasso; das Festungs-Commando Mantua von Drasso bis zur Mantuaner Citadelle, dann von Curtatone über Montanara und die Avalli bis Borgoforte, endlich längs des Po-Ufers bis zur Mincio-Mündung; das 10. Armee-Corps das linke Po-Ufer von der Mündung des Mincio hinab. Alle übrigen Truppen bezogen bequemere Cantonnements und führten die begonnenen Flussübergänge und Communicationen im eigenen Rayon zu Ende. Trotz des Waffenstillstandes hatten die Piemontesen vor Peschiera ihre Approchen am rechten Mincio-Ufer vorgetrieben. Der Festungs- Commandant, FML. Baron Gorizutti, sah sich daher veranlasst, gegen dieses vertragswidrige Vorgehen unter Androhung der Feindseligkeiten zu remonstriren. Nach Vereinbarung der Friedens - Präliminarien reiste Seine Majestät der Kaiser Franz Josef am 14. Juli von Verona nach Wien, ernannte den FZM. Baron Hess zum Feldmarschall und übergab ihm den Oberbefehl unter der Benennung „Mobiles Armee-Commando“ mit dem FML. Baron Schiitter als General-Adjutant. Die Beweggründe, welche den Abschluss des Waffenstillstandes und die dem Friedenszwecke gebrachten Opfer noth wendig machten, besprechend, dankte Seine Majestät in einem Armee-Befehle der Armee für die bewiesene Hingebung und Tapferkeit, den Völkern Österreichs aber in einem Manifeste für die bekundete Opferwilligkeit. Die IV. als Küsten-Armee wurde aufgelöst, die ganze Kriegsmacht in vier Armeen, bestehend aus 11 Infanterie- und einem Cavallerie- Armee - Corps, eingetheilt, wovon die II. Armee, unter FML. Graf Degenfeld, an der Demarcations-Linie bis zum Isonzo stehen blieb, die I. unter FZM. Graf Wimpffen nach Kärnten, Krain und in das Küstenland; die III. unter Seiner kaiserlichen Hoheit dem Erzherzog Albrecht nach Ungarn und Siebenbürgen, die IV. unter G. d. C. Graf Schlick nach Galizien verlegt wurde. Die I. und II. Armee blieben vorläufig auf dem Kriegsfusse; bei den Truppen der beiden anderen wurde mit der Demobilisirung und Standesherabsetzung begonnen.