Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 2. (1877)

Die Neben-Operationen im Feldzuge 1859 in Italien

92 Die Neben-Operationen im Feldzuge 1859 in Italien. Die Miliz-Mannschaft, welche ihre Führer selbst wählte, erhielt Munition und Fahnen vom Staate und, wenn sie im Dienste über drei Tage von Hause abwesend war, auch einen bestimmten Sold. Die Gesammtstärke der in Dalmatien dislocirten k. k. Truppen betrug im Monate Juli 7000 Mann. Die Interessen des ottomanischen Reiches liefen damals mit jenen Österreichs in allen Fragen parallel; es war also Frankreich darum zu thun, die Schritte zu vereiteln, welche die Türkei indirect, und ohne ihre Neutralität zu compromittiren, Österreich näher bringen konnten. Der französische Consul in Scutari, Herr Hecquard, schürte daher den Aufstand in der Herzegowina und vermittelte zwischen Serbien und Montenegro die Vereinbarungen zum Behufe eines aggressiven Vorgehens mit den Insurgenten in der Herzegowina. Fürst Danilo sollte mit 8000 Montenegrinern einen Angriff auf Cattaro unternehmen, während 4000 Franzosen debarquirten. Dagegen beabsichtigte Österreich, zu Gunsten des verbannten Fürsten Georg Petrovic, durch dessen Anhang in Montenegro eine Erhebung hervorzurufen. Die feindlichen Kundgebungen der Montenegriner beschränkten sich indessen auf fortgesetzte Störungen der Telegraphenleitung in der Suttorina, auf einen in der Nacht zum 10. Mai viermal wiederholten Angriff auf den Grenzposten zu Gorasda, endlich auf vereinzelte Neckereien. FML. von Marziani, welcher am 14. März das Militär-Gouverne­ment in Dalmatien von dem erkrankten FML. Baron Mamula über­nommen und die Vertheidigungs - Anstalten mit Sachkenntniss und Eifer geleitet hatte, erhielt Anfangs Mai seine Eintheilung bei der operirenden Armee in Italien. Sein Nachfolger im Gouvernement war FML. Baron Nagy. Nach der Kriegserklärung wurde in allen festen Plätzen Dalma­tiens der Kriegszustand verhängt, und demgemäss die politische Ver­waltung den Militär - Behörden untergeordnet. Im Kreise von Cattaro wurde GM. Baron Rodich und im Ragusaer Kreise Oberst von Zsoldos des 11. Jäger-Bataillons mit der Gerichtsbarkeit betraut, und beide mit ausgedehnten Vollmachten versehen. Wie im Küstenlande, erwiesen sich auch hier die Truppen italie­nischer Nationalität als unverlässlich. Desertion musste mit stand­rechtlicher Behandlung bedroht, und das 11. Jäger-Bataillon nach dem Innern der Monarchie verlegt werden. Am 29. Juni wurde das französische Linienschiff „Napoléon‘£ bei Traste beschossen und musste sich in Folge der erlittenen Havarien zurückziehen. Am 4. Juni hatte der österreichische Kriegsdampfer „Eugen“ das französische Handelsschiff „Raoul“ vor Punte Bianche weggenommen

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