Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 2. (1877)
Die Neben-Operationen im Feldzuge 1859 in Italien
Die Neben-Operationen im Feldzuge 1859 in Italien. 93 und nach Zara gebracht. Die Bemannung wurde als kriegsgefangen zurückbehalten, die Ladung des Schiffes aber, welche Eigenthum des Hauses Ritter in Triest war, auf einem neutralen Schiffe diesem zugesendet. Da das genannte französische Handelsschiff am 26. März, also vor der Kriegserklärung, von Guantanamo auf Cuba ausgelaufen war und keinen Hafen berührt hatte, so erschien am 7. Juli die französische Fregatte „LTmpétueuse“ vor Zara und forderte die Herausgabe des „Raoul“, sowie die Auslieferung des Kriegsdampfers „Eugen“, der ersteren gekapert hatte. Die Ausfolgung des „Raoul“ wurde der Entscheidung des Prisengerichtes Vorbehalten, die Auslieferung des „Eugen“ aber entschieden verweigert. Der Commandant der „LTmpétueuse“, Schiffs-Capitän Excelmans, liess hierauf gegen die Festung das Feuer eröffnen, welches nicht nur von den Festungswerken, sondern auch von dem im Hafen liegenden k. k. Kriegsdampfer „Cur- tatone“ so wirksam erwidert wurde, dass die feindliche Fregatte genöthigt war, nach zweistündigem Feuer den Kampf abzubrechen und zur Herstellung der erlittenen Schäden im Hafen von Lussin Piccolo einzulaufen. Nach der Abfahrt der „LTmpétueuse“ traf in Zara die Nachricht von den Waffenstillstands-Verhandlungen von Villafranca mit dem Aufträge ein, jede vom Gegner nicht provocirte feindliche Haltung zu unterlassen. Politische Vorgänge während des Krieges.— Die im III. Bande des Werkes enthaltenen Aufschlüsse über die politischen Vorgänge während des Krieges umfassen die Unterhandlungen wegen Mobilmachung des deutschen Bundesheeres, das Verhalten Englands und Russlands bei den durch den Krieg aufgeworfenen Fragen und Aufzeichnungen über die Friedens-Präliminarien von Villafranca. Mit Rücksicht auf die staatlichen Beziehungen und gemeinsamen Interessen rechnete Österreich mit aller Zuversicht auf deutsche Bundeshilfe. Es war hiezu durch die Stellung der deutschen Mittelstaaten sowohl, als durch die dem Reiche in früheren Zeiten gebrachten Opfer berechtigt und hatte aus diesem Grunde die Betheiligung des Bundes am Kampfe in seinen Kriegsplan einbezogen. Nach demselben sollte der Angriffskrieg vom Rhein nach Frankreich gespielt und dort die Hauptentscheidung gesucht werden; Italien hingegen hatte nur einen untergeordneten Schauplatz des Krieges zu bilden. Es wurden daher die österreichischen Hauptmassen für den Kriegsschauplatz am Rhein reservirt, und nur der kleinere Theil derselben nach Italien disponirt. Die II. Armee überschritt den Ticino in einer Stärke von nur 106.000 Mann eflfectiv. Österreich begab sich des nachhaltigen Vortheiles, welchen ihm das erste Auftreten mit überlegenen Kräften gesichert hätte; Frankreich hingegen warf den Kern seiner Kriegsmacht dahin und brachte