Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 2. (1877)
Die Neben-Operationen im Feldzuge 1859 in Italien
Die Neben-Operationen im Feldzuge 1859 in Italien. 91 Die Grenzforts Presieka, Kopac, Spiridione, Stanjevic und Dragail wurden verstärkt und sämmtliche vorgenannten Befestigungen in das Vertheidigungs-System der See-Position von Cattaro einbezogen, welche 256 Geschütze zählte. Die Häfen von Ragusa und Gravosa, welche vom Plateau des Monte Sergio beherrscht werden, erhielten die Ergänzung ihrer For- tificationen durch Anlage einer Feldverschanzung zunächst dem Fort La Gorgne, eines Werkes am Monte Lapad und eines am Monte Vierna. Die Armirung von Ragusa-Gravosa bestand aus 105 Geschützen. Die Insel Lissa war anfangs wegen ihrer gefährdeten Lage zur Räumung beantragt; dies wurde aber unterlassen und ihre Befestigungen ergänzt, weil schliesslich die Rücksicht zur Geltung kam, den trefflichen Hafen nicht ohne weiters dem Feinde preiszugeben. Die Werke von Lissa befanden sich in sehr gutem Zustande und bedurften nur einer geringen Nachhilfe. Die Armirung des Fort Georg wurde ergänzt und erhielt unterhalb desselben auf dem nördlichen seewärtigen Abhange zwei neue Batterien. Die Armirung des Thurmes Béniink ward vervollständigt, Batterien bei Comisa und im Defilé von Porto Manego, Emplacements für Geschütze beim steinernen Kreuz angelegt. Lissa erhielt eine Besatzung von 1200 Mann mit einer halben Raketen - Batterie und für die Zufuhren, Recognoscirungen und als Hafenwachschiff einen Kriegsdampfer. Die Armirung bestand im Ganzen aus 62 Geschützen. Lesina und Spalato wurden wegen ihrer geringen Haltbarkeit und militärischen Unwichtigkeit desarmirt, und die gewonnenen 46 Geschütze nach Cattaro verschifft; Clissa hingegen, welches die Strasse zwischen Spalato und Sinj vollkommen sperrt, ward armirt. Das Fort Knin erhielt 24, die Festung Zara 96 Geschütze. Am Hafeneingang von Lissa, im Canal Le Cattene vor Cattaro und an der Hafeneinfahrt von Gravosa wurden See-Barricaden errichtet. Die Verpflegung der Truppen in Dalmatien begegnete grossen Schwierigkeiten. Bei dem Mangel an Verpflegsartikeln im Lande mussten Mehl, Reis, Hülsenfrüchte, Speck und Spiritus von Venedig, Triest und Fiume herbeigeschafft, Fleisch hingegen, für welches lebende Vorräthe wegen Mangels an Futter nicht unterhalten werden konnten, von der Fleisch - Präparirungsfabrik der englischen Firma Powell & Comp, zu Galatz bezogen werden. Mit der Augmentirung der in Dalmatien dislocirten Truppen wurde Mitte April begonnen, weil zu erwarten stand, dass die Wasser- Communicationen beim Ausbruche des Krieges unterbrochen würden. Gleichzeitig wurde die Organisirung der Landes-Miliz (terrieri) in Aussicht genommen, und deren Stärke für die Kreise Zara, Spalato und Ragusa mit je 4000, Cattaro mit 1890 Mann festgesetzt. 7*