Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 2. (1877)

Die Neben-Operationen im Feldzuge 1859 in Italien

80 Die Neben-Operationen im Feldzuge 1859 in Italien. Gefecht am Stilfser Joch. — Während das Verhalten des Feindes an der Westgrenze von Tirol dessen Absichten auf Judicarien und den Tonale verrieth, eine Unternehmung gegen diese Punkte aber erst bei Beginn der Operationen gegen Verona zu besorgen stand, erschien derselbe vor dem Stilfser Joche, welches die Brigade Huyn mit neun Landesschützen-Compagnien besetzt hielt. Zur Wahrung eines offensiven Vorbrechens auf der über Bormio nach Bergamo und Mailand führenden Strasse hatte GM. Graf Huyn die Vertheidigung des Joches auf die lombardischen Abhänge vorgeschoben, Bagni vecchi di Bormio besetzt und die Stellung von Spondalunga be­festigt. Jene von Sa. Maria diente der ersteren an der Grenze als Unterstützung. Ein Streif-Commando von 60 Mann des 1. Kaiser-Jäger-Bataillons unter Hauptmann Kiene zersprengte am 26. Juni beim Ponte del Diavolo, südlich Morignone, 200 Mann Nationalgarden und nahm ihr mit Kleidungsstücken und Nahrungsmitteln wohl versehenes Lager. Am 2. Juli besetzten etwa 4000 Mann Garibaldi’scher Freischaaren mit vier Geschützen, unter Oberst Medici, Bormio und griffen am 3. unsere vorderste Stellung bei Bagni vecchi an. Hauptmann Bruder, welcher diesen Punkt mit einer halben Com­pagnie Kaiser-Jäger vertheidigte und an diesem Tage behauptete, zog sich in Folge erhaltenen Befehles während der Nacht, und vom Feinde unbehelligt, in die Stellung Spondalunga zurück. Mit der Vertheidigung der Bagni vecchi war der Zweck einer Aufklärung verbunden, und diese ermöglichte eine positive Benach­richtigung. Am 4. rückte der Feind bis über die erste Cantoniera zur 3. und 4. Galerie, verblieb daselbst am 5. und besetzte am 6. die 6. und 7. Galerie. Sein Versuch, auch die zweite Cantoniera zu besetzen, wurde vereitelt, diese unsererseits verbrannt und die Brücke über die Schlucht des Vitelli-Baches zerstört. Der 7. Juli verlief ruhig. Am 8. brach der Feind durch das Forcola Joch vor, setzte sich in den Schluchten des Monte Braulio fest, besetzte an der Strasse sämmtliche Galerien und unternahm den Angriff gegen die Front der Stellung von Spondalunga, welche er auch auf den Südhängen von Pedonello und Braulio zu umgehen suchte und unsere linke Flanke, durch Ersteigen des Ki’istall-Ferners, bedrohte. Zwischen 10 und 12 Uhr stand das auf allen Punkten entbrannte Gefecht unter grossen Anstrengungen von beiden Seiten. Ein von einer Abtheilung Kaiser-Jäger am Forcola-Passe im Rücken des Feindes ausgeführter Angriff hielt denselben zuerst auf diesem Punkte vom weiteren Vordringen ab und nöthigte ihn schliesslich, in das Forcola- Thal hinabzusteigen. Ebenso setzte Lieutenant Aigner von Kaiser-

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