Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 2. (1877)

Die Neben-Operationen im Feldzuge 1859 in Italien

Die Neben-Operationen im Feldzuge 1859 in Italien. 77 und schon am 13. Juni befanden sich 1000 Mann am Marsche nach den westlichen Landesgrenzen. Die bürgerliche Grundlage des Landesschützen-Institutes forderte viel Tact und mannigfache Rücksichten, um die Wehrkräfte des Landes ungeschwächt dem Zwecke des Dienstes zuzuführen. Die Erhaltung des guten Willens durch angelegentliche Sorge für den Unterhalt der Schützen, Vermeidung jeder Trübung ihrer Beziehungen zu den Truppen und Verzichtleistung auf die militärische Form der Intimation, erwiesen sich als unerlässlich. Die Verpflegung war in den meist sterilen, hinreichender eigener Hilfsquellen entbehrenden Geländen Süd-Tirols auf die Zufuhren allein beschränkt, und diese unterlagen in dem unwegsamen Hoch­gebirge, ebenso wie der Kundschafts- und Nachrichtendienst, nicht nur grossen Schwierigkeiten, sondern auch häufigen und bedenklichen Störungen. Das Eintreffen von drei Escadronen Schwarzenberg-Uhlanen in Trient am 18. Juni, und die Anwendung des elektrischen Telegraphen brachten in letzterer Beziehung eine namhafte Besserung der Zustände hervor. FML. Graf Degenfeld, welcher zum Commandanten der IV. Armee ernannt worden war, übergab nun das Commando des 6. Armee-Corps und das Landes-Vertheidigungs-Commando dem FML. Baron Paum- gartten. Am 16. Juni kamen dem Allerhöchsten Hauptquartier überein­stimmende Nachrichten zu, dass die französische Armee, nach Zurück­lassung von 40.000 Mann bei Brescia, den Po überschreite, um sich mit dem Corps des Prinzen Napoleon zu vereinigen und das Festungs- Viereck zu umgehen. Die Analogie dieses Planes mit der bei Beginn des Feldzuges vom Gegner ausgeführten Umgehung Casale-Magenta rief Besorgnisse wach, und die Bestätigung der Nachricht von diesem Flankenmarsche forderte demzufolge geradezu heraus, über den getheilten Gegner während seiner Bewegung herzufallen. Am 18. erhielt das 6. Armee-Corps den Befehl, mit allen im Etsch- und Sarcathale stehenden Abtheilungen am 20. gegen Vestone zu rücken und von da in Verbindung mit dem am rechten Flügel aufgestellten 7. Armee-Corps eine Offensiv-Bewegung der II. Armee gegen die mit 40.000 Mann besetzte Stellung des Feindes zwischen Brescia und Castenedolo zu unterstützen. Demgemäss setzten sich noch am 18. sechs vierte Bataillone, zwei Compagnien Kaiser-Jäger und zwei Batterien unter den General- Majoren Baron Reichlin und Baron Henikstein gegen Vestone in Be­wegung. Selben folgte unter GM. Reichardt am 19. eine Reserve- Brigade von sechs Bataillonen und einer Batterie.

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