Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 2. (1877)

Die Neben-Operationen im Feldzuge 1859 in Italien

78 Die Neben-Operationen im Feldzüge 1859 in Italien. Dieser Offensivstoss unterblieb indessen wegen mittlerweile einge­gangener anders lautender Nachrichten über die Bewegungen des Feindes. Der Befehl zum Rückmärsche kam den Truppen erst zu, als sie den Tagmarsch am 19. bereits ganz oder zum grossen Theile zu­rückgelegt hatten. Sie wurden nun befehligt, sofort wieder in ihre ent­legenen Aufstellungen abzurücken. Letztere erfuhren jetzt eine den neuesten Verhältnissen ent­sprechende Berichtigung. Mit der Besetzung der Zugänge des Landes im Vereine mit den Landesschützen sollte der Zweck verbunden werden, den Schwerpunkt der Defensivkräfte nach Süden zu verlegen, um nöthigen Falles mit einer stets verfügbaren Brigade auch die Operationen der Haupt-Armee unterstützen zu können. Während das Armee-Corps-Commando mit Ausführung der Details dieser Aufgabe und mit Verbesserung des Alarm-Systems beschäftigt war, machten bedenkliche Aufstandsversuche im vicentinischen Gebirge Streifungen nach der Vall’ Arsa und Val Sugana noth wen dig, und überdies waren im Westen aus der Anwesenheit Garibaldi’s am Idro- See, aus den Streifungen seiner Freischaaren gegen die Pässe und aus allen bei diesen über die Bewegungen des Feindes einlaufenden Nach­richten unzweideutige Anzeichen eines baldigen Angriffes zu entnehmen. Um diese Zeit beabsichtigte auch das Allerhöchste Armee-Ober- Commando eine Hauptentscheidung zu suchen und beschloss daher eine allgemeine Offensiv-Bewegung, bei welcher der rechte Flügel der Haupt-Armee durch Truppen aus Tirol zu verstärken war. FML. Baron Paumgartten entsendete, dem am 20. diesfalls erhaltenen Befehle gemäss, am 22. eine combinirte Brigade von 4000 Mann unter Commando des GM. Baron Reichlin, mittels Eisenbahn, von Roveredo nach Peschiera. Ein am 22. eingelangter Befehl verständigte das 6. Armee-Corps- Commando von der für den 23. in Aussicht genommenen offensiven Vorrückung der ganzen Armee gegen den Chiese und enthielt zugleich die Weisung, mit allen disponiblen Kräften eine Operation gegen Saló und Gavardo auszuführen. Doch während FML. Paumgartten im Begriffe war, die resultirenden Dispositionen zu treffen, vereitelte ein vom Feinde mit überlegenen Kräften gegen die Hauptzugänge Tirols unternommener Angriff die angeordnete Mitwirkung des Corps bei der allgemeinen Offensive. Gefecht bei Bagolino. — Es wurde nämlich die Vorrückung gegen Vestone am 20. Juni im französischen Hauptquartier als Vor­bereitung einer Unternehmung gegen Brescia gedeutet. Die Division Cialdini erhielt daher den Auftrag, im Verein mit Garibaldi’schen Freischaaren, die Tiroler Pässe zu bedrohen. Am 21. erschien der Feind vor der Rocca d’Anfo, besetzte den Monte Censo und versuchte die Besatzung der Idro-Caserne von der

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