Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 2. (1877)

Die Neben-Operationen im Feldzuge 1859 in Italien

76 Die Neben-Operationen im Feldzuge 1859 in Italien, Geschütz-Reserve und Batterien in Linz, Wels und Graz; die Anstalten in Oberösterreich. Das Corps hatte in der Folge in seine Ordre de bataille die Divisionen: FML. Prinz von Hessen mit den Brigaden Reichardt und Henik- stein; FML. Baron Koudelka mit den Brigaden Reichlin und Huyn auf­zunehmen. Der Corps-Commandant FML. Graf Degenfeld verfügte sogleich die dringendsten Massnahmen zur feldmässigen Ausrüstung seiner Truppen, namentlich bezüglich der Zuziehung der Batterien und der Anstalten. Die Brigaden marschirten in sechs Colonnen von Gmunden und Braunau über Salzburg in 4 bis 5 Gewaltmärschen von täglich 7 bis 8 Meilen (einschliesslich des Umweges über St. Johann) nach Wörgel und wurden von da mittels Eisenbahn (56km) nach Innsbruck befördert, wo ihre letzte Colonne am 15. anlangte. Die aus Böhmen mittels Eisenbahn über Dresden und München herangezogene Brigade Reichlin, war am 10. Juni in Innsbruck eingetroffen. Inzwischen hatte die strategische Lage unserer Armee in Folge der Schlacht von Magenta und des Gefechtes von Melegnano gebiete­rische Verhältnisse geschaffen, welche das schleunige Eintreffen der nach Süd-Tirol bestimmten Truppen erheischten. Ohne Rasttage rückten daher die Brigaden des 6. Armee-Corps in starken oder Doppelmärschen von Innsbruck nach Bozen und von da nach ihren Besetzungs-Objecten in’s Gebirge ab. FML. Graf Degenfeld hatte sein Corpsquartier in Trient etablirt und übernahm das Landesvertheidigungs-Commando. Die Vertheidigungs- Abschnitte wurden den Truppen wie folgt zugewiesen: Der Brigade GM. Graf Huyn das Stilfser Joch und das obere Etschthal; der Brigade GM. Baron Henikstein der Tonal-Übergang, das Sarca- und das Thal der Judicarien; der Brigade GM. Reichlin die Strecke von Roveredo bis Chiusa Veneta, diese Sperre, Spiazzi, Rivoli und Monte Baldo inclusive; die Brigade GM. Reichardt stand als Reserve in und um Trient. Die Feldtüchtigkeit des 6. Armee-Corps, welches meist aus vierten Bataillonen zusammengesetzt war, liess Anfangs Juni sehr viel zu wünschen übrig. Die Ausbildung war mangelhaft, die feldmässige Ausrüstung im Rückstände. Indess gelang es dem umsichtigen und thatkräftigen Eingreifen des Corps-Commandanten, seines Generalstabes und aller Organe, in kurzer Zeit eine namhafte Besserung dieser Zu­stände herbeizuführen, obzwar die fortwährenden Gewaltmärsche dieser Aufgabe grosse Hindernisse entgegen stellten. Während des Einmarsches des 6. Armee-Corps in Tirol hatte auch die Aufstellung der Schützen-Compagnien Fortschritte gemacht,

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