Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 2. (1877)
Die Neben-Operationen im Feldzuge 1859 in Italien
Die Neben-Operationen im Feldzuge 1859 in Italien. 75 Stellung des Verpflegs- und Munitions-Bedarfes. Seine Umsicht und Thätigkeit in Ermittlung und Ausführung der von der Lage der Dinge gebotenen Vertheidigungs-Anstalten führte in kurzer Zeit eine den damaligen Verhältnissen entsprechende Wehrhaftigkeit des Landes herbei. Diese genügte bis zu dem Zeitpunkte, als durch Heranziehung der Division FML. Baron Urban zur Recognoscirung gegen Montebello am 20. Mai das lombardische Gebirge von Truppen entblösst wurde, der von Garibaldi dort geschürrte Aufstand in hellen Flammen aufloderte und auch die Thäler von Süd-Tirol ergriff. Bisher waren die Truppen dieses Landes in einer Stärke von 6000 bis 8000 Mann, bei einer Vertheidigungsfront von 24 Meilen, zur Niederhaltung des Aufstandes auf eigenem Gebiete allenfalls noch hinreichend, aber sie waren ganz unzulänglich, einen feindlichen Angriff von den Grenzen Tirols abzuwehren. Die ungünstige Kriegslage steigerte inzwischen die Gefahr für Tirol, und die Nothwendigkeit einer ausgiebigen Verstärkung seiner Vertheidigungs-Truppen trat immer dringender heran. Auf den Zuzug von Landesschützen war noch nicht zu rechnen, weil das Landes-Vertheidigungs-Statut vom Jahre 1851, wegen noch ausständiger Regulirung der Gemeinde-Verfassung, bisher nicht in Wirksamkeit getreten, die Organisirung, des Aufgebotes, analog der alten Zuzugsordnung, wohl provisorisch angeordnet worden, der Aufruf zur Aufstellung der Landesschützen aber Ende Mai noch nicht ergangen war. Die Ausführung dieser Massregel nahm, ungeachtet sie Seine kaiserliche Hoheit der Statthalter Erzherzog Carl Ludwig und der zum Landes-Vertheidigungs-Commandanten ernannte GM. Graf Huyn mit allen Kräften beschleunigten, 3 bis 4 Wochen in Anspruch. Das zögernde Verhalten Preussens bewies mit jedem Tage mehr, dass auf die Theilnahme des deutschen Bundes am Kriege kaum mehr zu zählen sei. Der Drang der Verhältnisse wies auf Selbsthilfe hin und Hess das bereitgehaltene Bundes-Contingent Österreichs nach einer anderen Richtung verfügbar werden. Das ursprünglich für den Kriegsschauplatz am Rhein bestimmte 6. Armee-Corps erhielt nun endlich den Befehl, mit aller Beschleunigung nach Tirol abzurücken. Die Zusammensetzung und Dislocation dieses Corps war folgende: 1. Division Zedtwitz zu Graz, die Brigade Bittermann in Wien — Reichardt in Gmunden — Schneider in Linz; 2. Division Schmerling zu Mainz, die Brigade Baselli daselbst — Reichetzer in Rastadt; 3. vacante Division: die Infanterie - Brigade Henikstein in Braunau — Latterer in Salzburg — die Cavallerie-Brigade Coudenhove in Enns; o*