Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 2. (1877)
Die Neben-Operationen im Feldzuge 1859 in Italien
98 Die Neben-Operationen im Feldzuge 1859 in Italien. karnischen, julischen und dinarischen Alpen eingesäumten Nord- und Ostktisten der Adria vorgeführt werden, findet darin eine Fülle der lehrreichsten Stoffe. Die jeder kritischen Färbung entbehrende, aber exacte Aufzählung der militärischen Vorkehrungen und der Defensiv-Massnahmen sowie der Beweggründe, wie diese durch die geographische Lage, die strategischen, politischen und wirthschaftlichen Verhältnisse bedingt waren, gestattet ihm daher zur Erweiterung, Ergänzung oder Läuterung seines Fachwissens den Massstab der eigenen Auffassung anzulegen. Eine besondere Aufmerksamkeit verdienen die diesem Bande angehängten tabellarischen Zusammenstellungen der Standesbewegungen und des auf die Armee bezugnehmenden statistischen Materials. Der Beilage XXIV, welche die Nachweisung des Verpflegsstandes der k. k. Armee in den Monaten April bis August enthält, ist die namhafte Vermehrung derselben im ersten Monate um 170.000 Mann, im zweiten um weitere 71.000 Mann zu entnehmen. Der Übergang vom Friedens- auf den Kriegsstand vollzog sich also mit einer befriedigenden Raschheit. Inwieferne und auf welche Weise mit dem präsenten Stande der k. k. Armee den Bedürfnissen entsprechend hausgehalten wurde, geht aus den damaligen strategisch - politischen Verhältnissen Österreichs und aus der Gruppirung seiner Streitkräfte hervor. In ersterer Beziehung führen die Erwägungen zu der Erkenntniss, dass ausser den zur directen Bekämpfung des Feindes aufgebotenen Truppen erhebliche Streitkräfte noth wendig waren, um die Küstenstrecke von Cattaro bis Ancona zu besetzen, die See-Positionen zu vertheidigen und 167 dem Handel eröflfnete Häfen zu beschützen. 90.000 Mann der Truppen italienischer Nationalität konnten für Kriegszwecke nicht verwendet werden, und von dem Eflfectivstande der Armee müssen auch die nicht ausmarschirten Grenzer, die immobilen Armee- Anstalten, die Depötkörper und Besatzungen der Bundesfestungen in Abschlag gebracht werden. Die mögliche Einberufung des deutschen Bundes- Contingentes gestattete nicht, diese Eventualität ganz aus den Augen zu verlieren, und erheischte, dass an der Donau, in Böhmen und Mähren die hiefür nöthigen Stämme mit den entsprechenden Anstalten kriegsbereit gehalten wurden. Die Wühlereien des Feindes in Ungarn riefen Besorgnisse wach, und es schien bedenklich, dieses Land gänzlich von Truppen zu entblössen, sowie die von den Franco-Sarden in den Provinzen und Vasallenstaaten des türkischen Reiches angezettelte Schilderhebung Rücksichten schuf, welchen auf Kosten der operirenden Armee Rechnung getragen werden musste. Diese Rücksichten machten, bei mannigfachem Wechsel der Verhältnisse im Verlaufe des Krieges, eine häufige Verschiebung der