Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (1876)
Österreichs Kriege seit 1495. Chronologische Zusammenstellung des Schlachten, Gefechte, Belagerungen etc., an welchen kaiserliche Truppen auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen entweder allein, oder mit ihren Alliirten theilgenommen haben - Heinrich Du Val Graf von Dampierre, Freiherr von Mondrovillia, kaiserlicher General-Feldwachtmeister, Kämmerer, Kriegsrath, Ritter des Ordens de Santa Militia und Oberst-Inhaber eines Cürassier-Regiments. Ein Beitrag zur Geschichte der I. Periode des dreissigjährigen Krieges
82 Heinrich Du Val Graf von Dampierre. Um diese Zeit war dem Kaiser ein neuer Feind in dem 1613 zum Fürsten von Siebenbürgen gewählten Bethlen Gábor entstanden, der eine ansehnliche Macht gesammelt und in Ober-Ungarn eingefallen, mehrerer Plätze sich bemächtigt hatte und nicht verhehlte, dass sein Ziel Wien sei. Bucquoi’s wie Dampierre’s Aufgabe wurde es nun, der Hauptstadt Rettung zu bringen; sie suchten sich noch auf dem Marsche dahin zu vereinigen, was ihnen auch vollkommen gelang. Beide Generale bezogen mit 20.000 Mann eine Stellung am Bisamberge und versicherten sich der Donau-Brücken. Die Absichten Bethlen Gabor’s hatten auch die Utraquisten in Böhmen aufgemuntert, Thurn ebenfalls wieder gegen Wien zu senden, und konnte sich dazu eine günstigere Gelegenheit kaum mehr finden. Dem Beschlüsse folgte die That. Nachdem Thurn sich mit Redei Ferencz, der ein detachirtes Corps Bethlen’s befehligte und in Mähren eingedrungen war, yereinigt hatte, rückten Beide vor Wien, wo es am 24., 25. und 26. October zu verschiedenen Treffen kam, die aber zu keiner Entscheidung führten. Als Bethlen endlich selbst vor Wien erschien, wodurch die Macht des Feindes auf 80.000 Mann angewachsen war, welche Wien enge blokirt hielten, wurden auch hier keine günstigen Resultate erzielt. Einige glückliche Erfolge des kaiserlichen Obersten Richter Georg Hommonay in Ober-Ungarn über die dort zurückgebliebenen sieben- bürgischen Schaaren, sowie Misshelligkeiten zwischen Bethlen und Thurn bewogen vielmehr den Ersteren, sich nach Pressburg, das er auf dem Hermarsche eingenommen, zurückzuziehen. Unter diesen Umständen musste auch Thurn seine Stellung vor Wien verlassen, welches somit befreit war. Die Feindseligkeiten im Jahre 1620 sollten in Böhmen durch Bucquoi und Dampierre, der noch vor Ablauf des verflossenen Jahres nebst 28 anderen Vornehmen Ritter des Ordens de sancta militia ‘) geworden war, eröffnet werden. Die beiden Generale beschlossen gemeinschaftlich einen Angriff auf Prag auszuführen. Christian von Anhalt, der nach der Wahl Friedrich’s V. von der Pfalz zum Könige von Böhmen Oberbefehlshaber des böhmischen Heeres geworden war, erhielt jedoch noch rechtzeitig Nachricht von diesem Plane, concen- trirte deshalb 12.000 Mann bei Eggenburg und verschanzte die dortigen Pässe. Es kam hier auch zu einem allgemeinen Treffen, in welchem die Kaiserlichen den Kürzeren zogen. Dampierre verlor in selbem sein Pferd und wäre gefangen genommen worden, wenn ihm nicht ein Kosak (König Sigismund von Polen hatte solche Hommonay zur q Der Orden Christianas militiae B. Virginis et St. Michaelis war in demselben Jahre — 1619 — vom Herzog Carl von Nevers zu Olmütz nach dem Vorbilde des Malteserordens gestiftet worden, gieng aber wegen Mangel an Einkünften bald ein. Die Ordenstracht bestand in einem rothsammtenen Mantel mit einem goldenen gestickten achteckigen Kreuze.