Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (1876)

Österreichs Kriege seit 1495. Chronologische Zusammenstellung des Schlachten, Gefechte, Belagerungen etc., an welchen kaiserliche Truppen auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen entweder allein, oder mit ihren Alliirten theilgenommen haben - Heinrich Du Val Graf von Dampierre, Freiherr von Mondrovillia, kaiserlicher General-Feldwachtmeister, Kämmerer, Kriegsrath, Ritter des Ordens de Santa Militia und Oberst-Inhaber eines Cürassier-Regiments. Ein Beitrag zur Geschichte der I. Periode des dreissigjährigen Krieges

Heinrich Du Val Graf von Dampierre. 83 Disposition gestellt.) das seinige gegeben hätte. Dieser misslungene Versuch hatte ausser Verlust und Rückzug noch weitere missliche Folgen; Bucquoi und Dampierre geriethen nämlich in Uneinigkeit, weshalb der Letztere sich von dem Oberbefehlshaber trennte und mit seinen Truppen sich gegen die mährische Grenze zog, später aber für seine Person nach Wien begab. Hier hatte der Kaiser — Anfangs April — obschon er im Februar mit Bethlen einen mehrmonatlichen Waffenstillstand abgeschlossen, dennoch den Hofkriegsrath aufgefordert, ein Gutachten bezüglich der Kriegszustände im Ganzen, über die Unternehmungen zum Beginne der Feindseligkeiten für den Angriff und die Vertheidigung von Ungarn vorzulegen. In diesem wurde vor Allem die Versicherung des Donau­stromes, der Schütt-Insel und Rückeroberung Pressburgs angetragen. Schon damals hatte man Dampierre mit seinem Corps, das auf 10.000 Mann gebracht werden sollte, dazu auserkoren und ertheilte ihm den Befehl, sich deshalb nach und nach näher an die ungarische Grenze zu ziehen. Ehe er diesem Aufträge nachgekommen, hatte er die böhmische Besatzung in Gars überfallen und gänzlich aufgerieben. So standen die Sachen, als der Waffenstillstand mit Bethlen (Ende September) abgelaufen war; der Krieg in Ungarn brach mit erneuerter Heftigkeit aus und wurde mit einem Einfalle Bethlen’scher Truppen, die bei Pressburg über die Donau auf das linke Ufer übergegangen waren, eröffnet. Dampierre, der als Sammelplatz seines Corps Kloster­neuburg gewählt hatte, fasste auf diese Nachricht hin den Entschluss, den Ungarn vor Allem den Rückweg dadurch abzuschneiden, dass er die Schiffbrücke bei Pressburg zerstöre und ihnen die Communi­cation mit diesem wichtigen Platze abschneide. Zu diesem Ende wurden in Wien einige Schiffe hergerichtet, welche man mit Steinen belud , unter denen sich einige Pulver-Minen befanden, dergestalt, dass sie bei Erreichung der Brücke explodiren und die mächtigen Steine auf dieselbe schleudern sollten. Dieser An­schlag wurde aber verrathen; Bethlen’sche Soldaten und Schiffleute lauerten bei Theben in einem Hinterhalte den auf dem Strome herab­schwimmenden Fahrzeugen auf, hieben die Begleitung, Artilleristen und Ruderknechte nieder, und bohrten die Schiffe entweder in den Grund oder zündeten sie an. Als Dampierre das Misslingen seines Planes gegen die Brücke erfuhr, zauderte er keine Stunde, nunmehr Pressburg und das dortige Schloss selbst durch ein „nächtliches Stratagema“ zu erobern. Er war hiezu nicht blos durch die Wichtigkeit des Platzes — unter Anderem befand sich die heilige Reichskrone mit den übrigen Kleinodien im Schlosse — bestimmt, sondern auch durch die Nachricht, dass derselbe nur mit einer geringen Besatzung versehen sei, und ein geheimes Einverständniss, das er mit dem Kronbewahrer Grafen 6*

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